Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1335329
Dritte 
Lection. 
Methode, 
llIIl 
die 
Farben 
in 
Blasen 
aufzubewahren. 
Ich setze voraus, dass die Farbe vollkommen gut in Oel und 
in gehöriger Dicke abgerieben ist. Es wird nothwendig sein, von 
dem Grade der Stärke ein Beispiel zu geben, denn die Farbe 
darf weder zu steif noch zu flüssig sein. Der letztere Fehler ist 
noch mehr zu vermeiden, als der erstere, denn ausserdem, dass 
man mit einer zu flüssigen Farbe nicht gut malen kann, werden alle 
Farben durch das überflüssige Oel dunkel, und ausserdem, weil 
sie so lange Zeit trocknen müssen, voll Staub. Sind die Farben 
zu steif, so darf man nur in dem Moment, wo man sie auf die 
Palette bringt, etwas Oel hinzusetzen. Für zu flüssige Farbe giebt 
es keine Abhülfe, ausser der weitläufigen und unangenehmen 
Mühe, trockene, feingeriebene Farbe von gleicher Art hinzuzu- 
setzen; schmierig und unangenehm zu verarbeiten bleiben sie dann 
doch, weil das eine Zeitlangin den Blasen mit den Farben ver- 
schlossene Oel mehr oder weniger zähe wird. 
Um also einen richtigen Begriff von dem Grad der Consistenz, 
welche die Farben haben müssen, zu geben, will ich einen Gegen- 
stand als Beispiel anführen. Ich werde mich nicht sehr irren, 
wenn ich den Grad von Steifheit annehme, welche die frische 
Butter gemeiniglich in einem temperirten Klima hat, wie z. B. 
durchschnittlich in Mitte1- und Norddeutschland. Die Farbe muss 
nicht laufen können, aber sie darf auch nicht weder dem Haar- 
noch Bcrstenpinsel widerstehen, wenn man etwas davon auf der 
Palette nimmt. Ohne zu steif zu sein, muss man die Farbe
        

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