Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1335137
Grünspan. 
des 
Wirkung 
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oder die nöthige Zeit hat, sie geschwind sehr gleichförmig aus- 
zubreiten. 
Nichts gleicht dem Glanz der grünen Farben, die man hier- 
durch erhält, die Pfauenfedern sind nicht schöner, ja selbst kein 
Edelstein. Allein ich wiederhole es, unter der Lasur muss der 
Zauber der Wirkung ganz vollendet sein, denn man Sieht leicht 
ein, dass sie nur das Grün modiiicirt. 
Ueberall, wo der Maler die Schönheit der Farbe den gebro- 
chenen und gedämpften Tönen hat opfern müssen, wie in den 
Schatten und Tiefen der Falten, erscheint das Grün nicht so 
brillant, weil der Grünspan fast so durchsichtig als Glas ist, allein 
in den Lichtern strahlt er in seinem vollen Glanze. 
Diese Farbe, so gefährlich sie an und für sich selbst ist, ver- 
ändert sich ganz und gar nicht, wenn man sie auf diese Art 
braucht; sie ist dergestalt in dem Gopaiva-Balsam, der sehr hart 
wird, und in dem Firniss, welcher im Augenblick trocknet, einge- 
hüllt, dass die "Luft nicht Zeit gewinnt, sie anzugreifen, mithin 
bleibt dieses schöne Grün unveränderlich. Ich habe die gewisse 
Ueberzeugung davon, denn es ist länger als achtzehn Jahre, dass 
ich mich dieses Mittels bei Möbeln von Utrechter Sammet, bei 
Shawls und Atlassen bedient habe, und ich kann versichern, dass 
sie noch eben so glänzend sind, als am ersten Tage. Es ist sogar 
gefährlich, wenn man zu häufigen Gebrauch davon machen will, 
oder bei gar zu grossen Parthieen, weil der Glanz dieser Farbe 
alle übrigen tödtet.  
Folgendes begegnete einem meiner Freunde, der es nicht 
abgewartet hatte, bis seine Malerei hinlänglich trocken war, ehe 
er die Lasur mit Grünspan darauf setzte. Das Sammetkleid, das 
er mit dieser Farbe lasirt hatte, bekam überall Risse; beides, 
der Gopaiva-Balsam und derFirniss, viel härter und stärker als 
die darunter befindliche Farbe, zog dieselbe zusammen, dergestalt, 
dass man in den Tausenden von Rissen und Einschnitten die 
Leinwand mit ihrer Grundirung sehen konnte. Dieses Beispiel 
lehrt, dass man sich nicht übereilen darf. Der Grünspan an und 
für sich selbst hat einen so kalten Ton, dass, wenn man das Untere 
nicht sehr gelb hält, das Grün fast blau sein und einen schnei- 
denden unangenehmen Ton haben würde.
        

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