Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333609
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1335127
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Erste Lection. 
Anwendung 
Grünspan 
des 
Terpenthinessenz 1) verfertigten Mastixiirniss, und vermische sehr 
"schnell und mit zwei Touren des Läufers den Grünspan, indem 
man Copaiva-Balsam und Firniss zu gleichen Theilen hinzusetzt, 
man halte indess die Farbe nicht so dick, als zum Malen erforderlich 
sein würde, häufe sie geschwind in der Mitte der Glastafelzu- 
sammen, damit sie nicht zu geschwind trocknet, und mit einem 
weichen, "weissen und neuen Borstenpinsel streicht man die Lasur 
dreist und geschwind überall auf; man vermeide auf einer und 
derselben Stelle mit dem Pinsel oft vorwärts und rückwärts zu 
streichen, und fahre so lange damit fort, als der Firniss noch 
flüssig genug ist, um sich leicht behandeln zu lassen; trage auf 
einer Stelle nicht dicker auf, als auf der anderen, und verbreite 
die Lasur gleichförmig sowohl über die Lichter als über die 
Schatten ohne den geringsten Unterschied, besonders aber eile 
man damit, denn man hat höchstens nur eine oder zwei Minuten 
Zeit, um die Lasur auszubreiten. 
Es ist der Klugheit gemäss, nur sehr wenig Farbe zu dieser 
ersten Lasur zu nehmen, weil, wenn man eine zu grosse Quan- 
tität davon nimmt, dieser Fehler nicht verbessert werden könnte, 
das Grün würde zu dunkel werden, und würde es auch bleiben; 
verfahrt man aber vorsichtig dabei, so bleibt uns noch das Hülfs- 
mittel, eine zweite Lage von Grünspan aufzutragen, wenn die erste 
Lage Zeit gehabt hat, hart zu werden, welches im Sommer nach 
einer Zeit von vierundzwanzig Stunden geschieht. 
Ich kann nicht genug einscharfen, eine Parthie, die man vor 
einigen Augenblicken verlassen hat, niemals wieder mit dem Bor- 
stenpinsel zu übergehen; dieser F irniss wird so schnell zähe, dass 
die letzten Pinselstriche doppelt zu sehen sein würden, und man 
könnte den Verdruss haben, seine Arbeit immer mehr zu verder- 
ben, je mehr man es zwingen wollte, sie zu verbessern. Es ist 
daher wesentlich nothwendig, stufenweise vorzugehen, und seine 
Farbe nicht an einen Ort aufzutragen, wo man nicht die Absicht 
 
Droguisten. Man muss ihn so weiss und wenig zähe wählen, als man ihn nur 
linden kann.  
1) Wie der beste Gemäldefirniss verfertigt wird, sehe man die zweiund- 
dreissigste Lection.
        

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