Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Aquarell-Malerei
Person:
Schmidt, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1332488
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1333338
der Spectralfarben, sind indess hinreichend rein und 
blühend, um allen Forderungen der hIalerei zu genügen. 
Einige neuere Physiker weichen in ihren Behaup- 
tungen über Farbenmischung und in der Bestimmung 
der Grundfarben von der bisherigen künstlerischen Er- 
fahrung und Einsicht abik); 0b mit Recht oder Unrecht, 
i) Es ist eine auffallende Erscheinung, dass die Farbentheorie 
der neueren Physik von der" für die Malerei geltenden in einem 
Punkt direct abweicht. 
Die Physik behauptet, dass Grün eine Grundfarbe sei und 
nicht aus einer Mischung von Gelb und Blau gedacht werden 
müsse; als Grund für diese Annahme macht sie geltend, dass Spectral- 
gelb und Spectralblau über einander geführt nicht Grün, sondern 
Grau erzeugen. 
Die Malerei erkennt dagegen, wie Jedermann weiss, Grün als 
eine Mischung von Gelb und Blau an; sämmtliche gelben und 
blauen Pigmente erzeugen gemischt ein unzweifelhaftes Grün, reiner 
oder weniger rein, je nachdem jeder der beiden Factoren selbst 
rein ist. Eine Ausnahme von dieser Regel giebt es nicht; nur 
wenn wir Rothgelb mit Blau, oder Gelb mit Rothblau, oder Roth- 
gelb mit Rothblau mischen, entsteht Grau. 
Wir haben die Ueberzeugung, dass über kurz oder lang die 
Physik diesen Satz fallen lassen wird; offenbar ist es ihr noch 
nicht gelungen, ein absolut reines Gelb über ein ebenso reines Blau. 
zu führen; vielleicht aber wird sie dafür noch Mittel finden und 
es wird dann auch ein Spectrum Grün aus Gelb und Blau entstehen, 
ebenso wie Orange aus Gelb und Roth, und Violett aus Blau und 
Roth bereits im Spectrum gemischt werden. Die Malerei vermag 
,auch die Mischungsart zweier Farben, vermöge der Ueberein- 
anderführung oder der Drehung auf dem Kreisel, nicht 
als unbedingt richtig anzuerkennen; vielmehr muss sie daran fest- 
halten, dass die atomistische Mischung der Pigmente die einzig 
maassgebende ist. Gelänge es, eine atomistische Mischung zweier 
Spectralfarben zu bewerkstelligen, so würde die Wirkung auf
        

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