Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Geschichte der Maltechniken
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380327
nach drei Wochen  erscheinen werden, malen, nur seinem 
Gefühle nach auf der Palette mischen, dann würde man das 
tmglaublichste Chaos schaffen. 
Ist das Tagewerk vollbracht, dann muss die fertige 
Malerei ausgeschnitten  aller überflüssige Bewurf 
oder unvollendet Gebliebenes entfernt, fortgeschnitten werden. 
Hierbei ist Folgendes zu beobachten: Der Mörtel darf nicht bis 
an den Kontur des Gemalten fortgeschnitten werden, weil als- 
dann der Maurer das neue Stück unmöglich ansetzen kann, ohne 
das Gemalte zu verletzen. Man "lässt also um das eben Voll- 
endete herum einen etwa 3 mm breiten Rand stehen. Dieses 
Streifchen überreibt der Maurer am nächsten Morgen mit etwas 
frischem Mörtel, dem ein wenig mehr Kalk zugesetzt ist; es 
muss dies mit Vorsicht geschehen, mit einem Pinselchen oder 
Holzstäbchen.  Bei dem Wegschneiden des Mörtels ist noch 
Folgendes zu beachten. Man schneidet, entfernter beginnend, 
von aussen, sich mehr und mehr der Malerei nähernd, den 
überflüssigen Bewurf fort. Man hüte sich, direkt neben der 
Malerei das Messer (ein ganz gewöhnliches Taschenmesser thut 
die besten Dienste) einzusetzen; denn dann kann es leicht ge- 
schehen, dass man durch den Druck den Mörtel mit der Malerei 
von der Wand lossprengt; ist dieser aber gelöst, dann ist's 
vorbei. Sodann ist das Messer immer schneidend zu führen. 
Ferner ist zu beobachten, dass, je mehr sich die Schnittfläche 
zur Bildfläche dem rechten Winkel nähert, desto haltbarer der 
neue Mörtelansatz wird,  
Ist das Gemalte nun ausgeschnitten, dann bezeichnet man 
nebenan dem Maurer die Grösse des für den kommenden Tag 
neu einzusetzenden Stückes.  Man thut gut, das Gemalte 
durch einen Ausschnitt der zum Aufpausen benutzten Zeichnung 
zuzudecken, damit der Maurer beim Netzen der Wand nicht das 
angrenzende fertige Stück des Bildes durch Bespritzen besudelt, 
da ja selbst klares Wasser auf dunkelen Tönen Flecken zurück- 
lässt. Strenge ist aber darauf zu achten, dass das Wasser mit 
reinem Pinsel einem reinen Eimer entnommen werde. Vielfach 
werden die Eimer hierzu benutzt, in welchen die Leute ihr 
Handwerksgeräth waschen und transportiren und auch wohl Mörtel 
tragen oder Gyps anmachen. Wer hierin nicht strenge ist, der 
kann höchst unangenehme Erfahrungen machen, denn es ist 
unstatthaft, auf dem frisch Gemalten trocken zu putzen oder 
feucht abzuwischen.
        

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