Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Geschichte der Maltechniken
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1380273
Sand und ein Theil Kalk zu nehmen, doch denkt er dabei ohne 
Zweifel an frisch gelöschten Kalk.  Den durch das Sieben 
erhaltenen gröberen Sand verwendet man für den rauheren 
ersten Bewurf, den feineren Sand für den oberen, die Malfläche. 
Es ist nun vor dem Bewerfen der Wand des für _das Tages- 
pensum bestimmten Mauertheiles wohl darauf zu achten, dass 
die Wand gut genetzt wird! Die Hermeneia sagt: „l.st es eine 
Ziegelmauer, so feuchte dieselbe fünf oder sechsmal an und 
mache einen Kalkanwurf       zwei Finger dick und mehr, 
damit er die Feuchtigkeit halte, wenn du arbeitest. Ist die Mauer 
von Stein, so befeuchte sie nur ein oder zweimal und wirf 
eine dünne Lage Kalk an, denn der Stein hält die Feuchtigkeit 
gut und trocknet nicht." Diese Vorschrift ist wohl zu beachten; 
"denn trocknet der Bewurf zu frühe, so hat man, abgesehen 
von der geringeren Festigkeit des Gemalten, stets mit wider- 
strebendem Material zu thun, wohingegen bei hinreichend 
feuchtem Untergrunds das Malmaterial an Handlichkeit und an- 
genehmer Behandlung nichts zu wünschen übrig lässt.  Zur 
Mörtelbereitung ist wie zur Malerei nur Regenwasser zu ver- 
wenden!  Zur Herstellung des Bewurfes reichen nun keineswegs 
die gewöhnlichen Reib-, Verputz- oder Polirbretter hin, wie 
sie allerorts die Maurer führen; es sind vielmehr solche in ver- 
schiedenen Grössen vonnöthen, bis zu fingerlänge und entsprechend 
schmal, aber unter Beibehaltung der gebräuchlichen Form. 
Für das Beiarbeiten an den Rändern sind ausserdem noch kleine 
Spachteln oder Spateln nach Art der Modellirhölzer der Bild- 
hauer nöthig. Damit dem Maurer die Arbeit nicht unnöthig 
erschwert werde, was auch mit Rücksicht auf die Dauerhaftigkeit 
des Gemäldes wohl zu beachten ist, sorge man, dass die Ränder 
des neu ein- oder anzusetzenden Stückes möglichst gradlinig 
sind. Wenn man tiefere, fast spitzwinkelige Einbuchtungen 
stehen lässt, wodurch der Maurer in die Lage kommt, den 
Mörtel beizudrücken  fast könnte ich sagen beizukleben  
dann setzt man sich leicht der Gefahr aus, lose Stellen zu 
schaffen; auch wird der Malgrund nicht gleichmässig trocken, 
was unangenehm bei der Arbeit empfunden wird. Ein fester, 
flotter Mörtelantrag ist der beste.  Wie die Farbe auf der 
Palette nicht gequält sein will, so empfiehlt es sich auch, den 
Mörtel nicht zu schmieren und überflüssig zu kneten. Man 
achte wohl darauf, einen Grund aus vollem Gusse zu erhalten.
        

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