Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1325441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1327796
Niederländische 
Malerei. 
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dürfte das kleine Skizzenbuch mit zwölf Holztäfelchen, auf denen 
zweiundzwanzig Bilder gemalt sind, im königlichen Kupferstich- 
kabinett in Berlin stammen. Ebenso wie die Buchmalerei unter- 
scheidet sich die altere niederländische Tafelmalerei in Tempera 
wenig von der allgemein am Niederrhein, namentlich auch in 
der Kölnischen Schule üblichen, obwohl später die niederländische 
Eigenart, die Freude an der liebevollen Darstellung der natürlichen 
Umgebung, in der Wiedergabe der Landschaft und des Inneren 
der Bauwerke, als charakteristische Besonderheit kräftig zum Aus- 
druck kommt. Eine wahrhaft europäische Bedeutung gewinnen 
dann sofort die Werke der berühmten altllandrischen Malerschule 
der Brüder Hubert und Jan van Eyck im ersten Viertel des 
15. Jahrhunderts, Welche den zur Renaissance überleitenden Realis- 
mus reichlich ein Jahrzehnt früher bethätigen, als die mit Masaccios 
Arbeiten in Florenz beginnende gleichartige Richtung. Zugleich 
bewirkt die Anwendung der von den Eycks wenn nicht erfundenen, 
doch jedenfalls vervollkommneten Technik der Ölmalerei einen ent- 
schiedenen, sich rasch durch alle Länder verbreitenden Umschwung 
in der Herstellung. der Tafelbilder, welcher der realistischen Ver- 
vollkornmnung derselben zu gute kommt. Von der durchgreifenden 
Veränderung, welche die Auffassungsweise der Alttlandrischen 
Schule in der gesamten deutschen Malerei hervorbraohte, ist schon 
bei Gelegenheit der Schilderung der letzteren im vorhergehenden 
Abschnitt die Rede gewesen, aber auch in Italien und Spanien 
riefen die technische Vollendung der dorthin gekommenen flan- 
drischen Bilder Bewunderung und Nachahmung hervor. 
Zwar konnte sich die altniederländische Richtung in der Malerei 
kaum ein Jahrhundert hindurch selbständig erhalten; sie musste 
seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts dem alles überflutenden 
Einilusse der italienischen Kunst weichen, obgleich auch später 
noch Rückwirkungen von den Niederlanden nach Italien, nament- 
lich in der Landschafts- und Genremalerei stattfanden, welche als 
selbständige Gattungen eigentlich erst in den Niederlanden geschaffen 
wurden. Der ganz hervorragenden Ausbildung dieser genannten 
Zweige der Malerei, sowie der ebenfalls bevorzugten Tier-, Blumen- 
und Stilllebenmalerei ist es auch zu verdanken, dass die nieder- 
ländische Malerei des 17. Jahrhunderts dennoch ein ganz von der 
italienischen Art abweichendes Gepräge gewinnt. Im Vergleich zu 
der ernsten und im allgemeinen hohen Schönheitsidealen nach- 
strebenden italienischen Kunst ist die niederländische heiter und 
behaglich bürgerlich in ihrem Gesamtcharakter, der indes eine 
feine seelische Stimmungsmalerei keineswegs ausschliesst. Aber 
die Ekstasen- und Marterszenen der späteren Italiener finden in 
den Niederlanden fast keinen Eingang, vielmehr macht sich hier
        

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