Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1321333
Tafelmalerei: 
Nieder- und Mittelrhein. 
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Das Inkarnat ist weich und zart, die Gewandung reich mit 
knitterigen Falten. Seine Thätigkeit beginnt vor 1485, doch fällt 
Seine Blütezeit in das letzte Jahrzehnt des 15. und das erste des 
16. Jahrhunderts. Im Ornament ist nirgend ein Renaissancemotiv 
zu entdecken. Im Kölner Museum finden sich vom Meister des 
Bartholomäusaltars eine Maria mit dem Kinde, der Thomasaltar und 
der Kreuzaltar. Nr. 136, Maria mit dem Kinde, lässt im Hinter- 
grunds neben dem Goldbrokatteppich in eine lichte Landschaft 
hinausblicken. Der Thomasaltar (Nr. 137), ein Triptyehon, zeigt im 
Mittelbilde den auferstandenen Christus, dem ungläubigen Thomas 
seine Seitenwunde bietend. Oben erscheint Gottvater segnend, 
von vielen Engeln umgeben, zu den Seiten schweben Heilige, unten 
im blumigen Wiesengrunde knieen zwei musizierende Engel. Das 
Gemälde steht auf Goldgrund. Die Innenseiten der Flügel ent- 
halten Maria mit dem Kinde und Heilige; auf dem Fussboden 
sonnt sich eine täuschend nachgebildete Fliege. Auf den Aussen- 
seiten sind Heilige als Steinfiguren in Nischen gemalt. Der Kreuz- 
altar'(Nr. 138), ein Triptychon, giebt im Mittelbilde den Kruzifixus 
mit Maria und Johannes und schwebende Chöre von nackten 
Engelkindern. Weiter zurück auf wüstem Felsboden liegt ein 
Gerippe, zu den Seiten stehen Heilige. Der Goldgrund ist 
schraffiert. Auf den Innenseiten der Flügel stehen Heilige vor 
Teppichen, über denen man in die helle Landschaft blickt. Auf 
den Aussenseiten befindet sich grau in grau die Verkündigung. 
Ein Schulbild des Meisters ist die Verkündigung (Nr. 224 des 
Kölner Museums).  Der Meister von St. Severin, nach zwei Tafel- 
bildern in der Kölner St. Severinskirche so benannt, erscheint in 
seinen Hauptbildern als Nachfolger des Quintin Massys und 
zeichnet sich durch ein glänzendes Kolorit aus. Auch der üppige 
Faltenwurf und die Landschaft ist dem iiandrischen Maler ent- 
lehnt. Übrigens giebt der kölnische Meister scharfkantige Physio- 
gnomien mit phantastischen Übertreibungen, grossartige Konzeptionen 
und tiefwirkende Empfindungen. Die Gestalten sind schlank, die 
Gliedmassen hager, die Schädel auffallend hoch, die Nasen massig 
mit knolliger Kuppe. Die frühen Arbeiten des Meisters in un- 
gebrochenen bräunlichen Farben fallen um die Wende des 15. Jahr- 
hunderts, die mittlere Periode in der Nachfolge des Massys bis 
1513. In der Folge mischen sich im Ornament bereits einige 
Renaissancemotive ein. Der Meister von St. Severin ist der letzte 
Vertreter einer heimischen Malerschule in Köln. Von ihm be- 
finden sich im Provinzialmuseum zu Bonn Szenen aus der Legende 
der heiligen Ursula aus späterer Zeit, in der St. Andreaskirche in 
Köln das Rosenkranzbild, in der Mitte die heilige Jungfrau mit 
dem Ghristuskinde, welche von Engeln mit Rvsenkränzen gekrönt
        

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