Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1321257
Buchmalerei. 
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Technik, aber zugleich einen Mangel feinerer Empfindung. Das 
älteste der für Wenzel hergestellten Werke ist der Willehalm 
von Oranse in der Ambraser Sammlung zu Wien, 1387 vollendet. 
Die Bilder sind sämtlich als Initialfüllungen verwendet und meist 
handwerklich. Am Rande ist öfter das Liebesverhältnis Wenzels 
zu einem Bademädchen in der Art der Droleries geschildert. Viel 
öfter hat diese Liebschaft Wenzels in der deutschen Bibelübersetzung 
(Wiener Hofbibliothek Kat. 2759-2764), welche im Auftrage des 
Martin Rotlev für Wenzel angefertigt wurde, Aufnahme gefunden 
(Rotlev stirbt etwa 1400). Es sind sechs Bände, von welchen nur 
der erte den vollständigen Bilderschmuck erhalten hat. Es waren 
mehrere Hände thätig. Mit den biblischen Darstellungen wechseln 
solche aus dem intimen Leben Wenzels. Es finden sich auch 
frivole Szenen dargestellt. Von tüchtigeren Händen rühren die 
Bilder der Abschrift der Goldenen Bulle her, die im Auftrage 
Wenzels um 1400 angefertigt wurde (Wien, Hofbibliothek Nr. 334). 
Wieder kommen die Bademädchen vor. Die letzte edelste Frucht 
der von Karl IV. ausgegangenen Anregungen ist das Missale, 
welches von Laurinus von Glattcm um 1409 für den Prager Erz- 
bischof Sbinko Hasen von Hasenburg vollendet wurde (Wien, 
Hof bibliothek Nr. 1844). In Wien blühte die Buchmalerei am 
Hofe der kunstliebenden Herzöge von Österreich unter Prager oder 
unmittelbar französischem Einfluss. Für Erzherzog Albrecht II. 
vollendete 1368 Johann von Troppau ein Evangeliar, die glänzendste 
Leistung der Zeit auf deutschem Boden (Wien, Hofbibl. Nr. 1187). 
Die Krone von allem ist der die ganze Seite füllende Initial L. 
Es ist eine ornamentale Erinnerung an den Stammbaum Christi; 
doch sind die meisterhaft behandelten Köpfchen in den Ranken 
nicht darauf zu deuten, sie sind ernst und würdig, die Mädchen- 
köpfe von seelenvollem Reiz an Fra Giov. da Fiesole erinnernd. 
Dann unten und zur Seite musizierende Engel und breit behandeltes 
Blattwerk. Im Auftrage desselben Fürsten wurde 1384 die Illustrierung 
einer deutschen Übersetzung von Durandi Rationale divinorum 
ofiiciorum begonnen (Wien, Hofbibl. Nr. 2765). Die Bilder sind 
teils Initialfüllungen, teils Randdarstellungen; ihr Inhalt sind 
biblische Szenen, liturgische Handlungen, Parabeln und Bildnisse 
österreichischer Erzherzöge und ihrer Frauen. In den Köpfen der 
biblischen Bilder ist eine reiche Leiter von Stimmungen aus- 
gesprochen. Die Körper sind durchgehends mit einem dünnen 
Schleiergewand bekleidet. Die Bildnisse sind zweifellos ganz 
individuelle Köpfe. An der Ausmalung scheint ein Meister Hans 
Sache in Wien hervorragend beteiligt gewesen zu sein.
        

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