Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1321023
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Früh- 
und 
Hochgotik. 
troffenen Ausdruck für das Ideal der Zeit bilden.  Die Technik 
der Malerei blieb dieselbe wie in romanischer Zeit und unter- 
schied sich wenig von derjenigen der Miniaturmalerei; es kommen 
Temperafarben zur Verwendung, sowohl in der Wand- wie in der 
Tafelmalerei. 
1m ganzen war die gotische Epoche wenig günstig für die 
Entfaltung der Wandmalerei; der mächtige Orden der Cister- 
cienser verbot die Anwendung derselben in den Kirchen, das 
gotische Bausystem selbst entzog der Malerei die Wandiiächen 
und bald auch die durch Rippen vielfach geteilten Gewölbe. Die 
Zahl der aus diesem Zeitraums überkommenen Wandmalereien ist 
deshalb auch nicht gross, obgleich die Glasmalereien der 
grossen Fenster, soweit dieselben erhalten sind, einen nicht zu 
unterschätzenden Ersatz bieten. Die wichtigsten Denkmäler der 
Malerei dieser Epoche bieten die Rheinlande, dann folgt Böhmen 
und der Süden Deutschlands. 
Nieder- und Mittelrhein. Von den Malereien der abgebrochenen 
Deutschordenskirche zu Ramersdorf im Siebengebirge sind 
Durchzeichnungen und Aquarellkopien im Berliner Kupferstich- 
kabinett erhalten. Die Ohornische enthielt Bilder aus der Kind- 
heitsgeschichte Christi; am Gewölbe war Gottvater als Welten- 
schöpfer, umgeben von den Zeichen der Elemente, dargestellt. 
Das mittlere Gewölbe des Mittelschiffs zeigte die Krönung der 
Jungfrau mit musizierenden Engeln und Michael als Drachentöter; 
an den bemalten Kappen der Seitenschiffe erschienen die heilige 
Elisabeth und die heilige Katharina, im westlichen Joch das J üngte 
Gericht u. s. w. Die Gestalten sind schlank, die Köpfe zu klein, 
aber mit dem gelungenen Ausdruck himmlischer Unschuld. Die 
Malereien gehören der Frühzeit des 14. Jahrhunderts an. Um die 
Mitte des Jahrhunderts erhalten auch die Nebenkapellen des Chors 
malerischen Schmuck.  Die Malereien an den Ghorschranken 
des Kölner Doms, für gewöhnlich nicht sichtbar, sind etwa 1322 
entstanden. An der Evangelienseite sollten die Legenden des 
heiligen Petrus und des heiligen Silvester Platz finden, an der 
Epistelseite die der heiligen Jungfrau und der heiligen drei Könige. 
Den unteren Teil der Wandfelder füllen spitzbogige Arkaden, in 
welchen auf der Evangelienseite Bischöfe, auf der Epistelseite 
Kaiser in statuarischer Haltung dargestellt sind. Darüber folgen 
in sieben, wieder von Arkaden eingefassten Feldern die Haupt- 
szenen der Legenden. Oberhalb der Spitzbogen, auf braunrotem 
Grunde sieht man possenhafte Szenen, in der Art der Buchmalereien. 
An dem Inschriftenfries unter den Hauptbildern zeigen sich vor 
und hinter der Schrift jene kecken Figürchen, welche die fran- 
zösische Buchmalerei der deutschen übermittelt hatte. Die Marien-
        

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