Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1321015
Buchmalerei. 
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gefertigt, enthält Bilderinitialen, derb, aber mit frischer Phantasie 
gezeichnet. Ein Antiphonar in der Bibliothek der Benediktiner- 
abtei Seiten st etten, östlich von Steyr, aus dem 13. Jahrhundert, 
im Stift selbst geschrieben, enthält Bilder auf Goldgrund, die schon 
den Beginn des gotischen Stils verraten. Eine Bibel des 13. Jahr- 
hunderts ebendort, angeblich aus Ungarn, ist mit zart ausgeführten 
kleinen Initialbildern ausgestattet, in scharfen Umrissen und heller 
Farbe. In der Bibliothek des Benediktinerklosters Götweih bei 
Mautern befindet sich eine Bibel, etwa. vom Anfange des 13. Jahr- 
hunderts, mit sehr kleinen, aber durch gute Zeichnung, grossartige 
Haltung, lebendigen Ausdruck sehr bedeutenden Initialbildern.  
An die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts wäre das wunderbare 
Einzelblatt mit der Darstellung des heiligen Michael im Königl. 
Kupferstichkabinett Berlin zu setzen, dessen Ürsprungsort un- 
bekannt ist, welches aber als Endresultat in der Entwickelung der 
Deckfarbenmalerei erscheint. Auf das Ende des 13. Jahrhunderts 
Weist allein die feine mit der Feder gezogene Zeichnung des 
Kopfes lmd der Hände, dann die Haarbehandlung hin. Die edle 
Biegung des Leibes, der herrliche Schwung der Gewandung lassen 
schon auf die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts schliessen, 
ebenso der Teppichhintergrund. 
Epoche 
der Früh- und Hochgotik. 
(Von 1260 bis 1400.) 
Die Malerei entwickelt sich, wie in der früheren Epoche, 
immer noch wesentlich auf nationaler Grundlage. Wenn auch der 
französische Einfluss, der mit der eindringenden Gotik untrennbar 
zusammengeht, sich einigermassen bemerkbar macht, so ist dies 
doch vorzugsweise in der Buchmalerei der Fall, während Wand- 
und Tafelmalerei die Grundzüge deutschen Wesen unverrückbar 
festhalten. An die Stelle der Nachahmung älterer Typen tritt 
jetzt überall eine selbständige, auf liebevoller Naturbeobachtung 
fassende Auffassung der Gestalten und Begebenheiten, und der 
alte Symbolismus mit seinen Fabelwesen und Tierformen ver- 
schwindet allmählich aus dem Kreise der Darstellungen. Allerdings 
wird die reale Naturwahrheit nur in beschränkter Weise erreicht, 
denn schon der übliche goldene Hintergrund löst die Gestalten 
VOm irdischen los, auch die Körperformen sind nicht richtig in 
ihren anatomischen Verhältnissen, eigentlich bleiben die Köpfe 
der Figuren allein die Träger des seelischen Ausdrucks. Aber für 
diese Mängel entschädigt die Tiefe der Gedanken, die Innigkeit 
und Wärme der Empfindung, welche den in dieser Art unüber-
        

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