Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320984
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Spätromanische Epoche. 
Tempeln drei der Evangelisten auf goldenem Grunde sitzen. Das 
Kapitell mit den drei Gesichtern finden wir hier wieder. Die 
Initialen, golden auf blaugriinem Grunde, wirken prachtvoll. Ver- 
wandtschaft mit dem Vorigen hat ein Evangeliar aus Weihen- 
stephan (Ood. Weihenst. c. pict. 33). Beim Kanon spielen die 
Evangelistensymbole einträchtig Jniteinander. Dem Lukas hält ein 
Drache das Tintenfass, der Adler scheint dem horchenden, greisen- 
haften Johannes die Offenbarung mitzuteilen. Die Gesichter sind 
noch hässlich, besser die Tier- und Pflanzenformen. Die Hand- 
schrift stammt wohl noch aus dem Anfange des 12. Jahrhunderts. 
Derselben Zeit und Art gehört ein Evangeliar aus Scheyern an 
(Cod. Schyr. 28a), welches treffliche Goldinitialen auf blangrünem 
Grunde und die Evangelisten unter Tempeln zeigt. Das berühmteste 
Bilderwerk der Zeit ist das Evangeliar von Niedermünster in 
Regensburg. Es ist mit grösster Pracht ausgestattet; alle Bilder 
stehen auf Goldgrund. Am Anfange sieht man die Hand Gottes, 
unter ihr gekrönte Gestalten, an den Ecken die Figuren der vier 
Kardinaltugenden. Dann folgt Maria mit dem Kinde, ringsum 
Mond, Sonne und Meeresstern. Unten kniet die Geberin, die 
Äbtissin Uta. Das dritte Bild zeigt Christus am Kreuz, die Krone 
auf dem Haupt, in langem aufgeschürzten Rock von Rosenfarbe, 
.die goldene Priesterstola. wallt von den Schultern; er steht auf 
einem Fussbrett. In den Medaillons des Rahmens sieht man oben 
die Gestalten der Sonne und des Mondes weinend, in der Mitte 
die Kirche mit Fahne und Kelch und die Synagoge, ein Weib mit 
verbundenen Augen. In den zwei unteren Medaillons ist die Auf- 
erstehung und der zerrissene Tempelvorhang dargestellt. Am Fusse 
des Kreuzes steht rechts das Leben (Vita), eine Frau im rosa 
Kleide mit einer Krone, links der Tod, eine wilde Figur in Aschen- 
farbe mit struppigem Haar und einer tiefen Halswunde, die durch 
einen vom Kreuzesstamm ausgehenden Schlangenkopf ihr bei- 
gebracht wird, umsinkend mit gebrochener Lanze und Sichel u. s. w_ 
Ein der Nonne Diemut von Wessobruwn (1057-1 140) zugeschriebenes 
Buch (Cod. Wessof. c. pict. 24) enthält die vier Evangelien mit 
den Vorreden des Hieronymus. Den Anfang bilden wieder die 
Kanones unter Tempelchen. Unter den sitzend dargestellten Evan- 
gelisten zeichnßt sich besonders der greise Johannes aus. Viel vor- 
züglicher sind die Initialen, häufig ganz aus sich verschlingenden 
Drachen gebildet. Etwas später ist ein anderes Evangelienbuch 
aus Wessobrunn (c. p. 89), gleichfalls mit den Bildern der Evan- 
gelisten. Die Lichter sind hier weissblau aufgesetzt, der Falten- 
wurf ist mit mehr Freiheit gebildet. Ein Evangelistarium aus der 
Kollegiatkirche St. Nikolaus in Passau, ebenfalls in München 
(Ood. lat. 16 O02), enthält eine grosse Zahl gebilderter Initialen in
        

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