Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1323087
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Zeit 
des Barock- 
und Rokokostils. 
Rokoko abgelöst zu werden. Zwar nimmt gegen Ende des 17. Jahr- 
hunderts die Anzahl der deutschen Meister und der entstehenden 
Malwerke zu, aber gleichzeitig werden vielfach die Ausländer 
herangezogen und meist gegen die heimischen Künstler bevorzugt. 
In der deutschen Malerei der Barockzeit wiegt bald der Einduss 
der-Niederländer gegen den früher herrschenden der Italiener vor; 
Rubens, Rembrandt und ihre grossen Schulen sind nun die Sterne, 
welche" der deutschen Malerei der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts 
vorleuchten. Zugleich drängte der realistische Zug der nieder- 
ländischen Malerei zu einer selbständigen Behandlung einer Reihe 
von Stoffgebieten; das Sittenbild errang sich eine hervorragende 
Stellung, dazu kam die Landschaft, das Tierstück, das Stillleben, 
das Architekturstück, sämtlich Richtungen, zu denen die Anfänge 
allerdings bereits in der älteren deutschen Malerei gegeben waren. 
Das Sittenbild hat indes in Deutschland keine den Niederländern 
gleichwertige Ausbildung erfahren, wahrscheinlich schon deshalb 
nicht, weil es dem deutschen Volksleben des 17. und der 1. Hälfte 
des 18. Jahrhunderts an innerer Kraft und Freudigkeit fehlte. 
Etwas günstiger stand es mit dem Schlachtenbild, dem Tierstück 
und dem Stillleben. 
Mindestens eine grossartige Errungenschaft von weitgehender 
Wirkung hatte die deutsche Malerei dem Barockstil zu verdanken; es 
war dies die Raummalerei im grossen monumentalen Stile, welche in 
den österreichischen Alpenländern ihre eigentliche Heimat fand, 
aber von da aus ihren Triumphzug über ganz Deutschland aus- 
dehnte. Die zahlreichen im Barockstil neuerrichteten oder um- 
gebauten Kirchen, namentlich die Stiftungen der Jesuiten, er- 
forderten durchaus den Schmuck von Wandbildern, besonders in 
den jetzt unentbehrlichen Kuppelräumen, aber auch Schlösser und 
öifentliche Gebäude aller Art erhielten dieselbe malerische Aus- 
stattung. Hierbei zeigte sich ein glänzendes dekoratives Geschick, 
frischer Farbensinn und eine meisterhafte Beherrschung der Fresko- 
technik. Die kühnen Kuppelmalereien des Paters Pozzo, der vermut- 
lich selbst ein Tiroler war, bildeten das Ideal, dem man nachstrebte. 
Künstlerischer Ernst im einzelnen, religiöse Weihe des Ganzen 
darf man in diesen Schöpiiingen nicht suchen, aber immerhin war 
die dekorative Wirkung eine gewaltige, bisher noch nicht erreichte. 
In den Anfang des 18. Jahrhunderts fällt dann die Gründung 
der meisten Kunstakademien, welche in der Folgezeit dem Kunst- 
betrieb eine neue Richtung geben und viel dazu beitragen sollten, 
die französische Geschmacksrichtung in Deutschland einzuführen. 
Man wurde nun zahmer in der Auffassung und in den Formen; 
das Zeitalter des Barocks war damit vorüber, und an seine Stelle 
trat endlich ein nüchterner Neuklassizismus.
        

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