Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320331
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1320683
Frühromanisehe Epoche unter den sächsischen Kaisern. 
(Von 918 bis 1024.) 
Im wesentlichen bleiben in der frühromanischen Zeit die kar0- 
lingischen Grundlagen, nur kommen neue Motive hinzu. Neu ist 
auch der durch Theophanu, die Gemahlin Ottos 11., bewirkte und 
noch stärker unter ihrem Sohne Otto III. hervortretende byzan- 
tinische Einiiuss, welcher sich aber weniger in stilistischer Hin- 
sicht, als in der Wahl der zu malenden Stoffe bemerkbar macht. 
Aus dieser Epoche ist uns ein bedeutendes Werk der Wand- 
malerei in der kleinen St. Georgskirche zu Oberzell auf der 
Insel Reichenau im Überlingersee erhalten. Die Gemälde zeigen 
die Fortdauer der antik-altchristlichen Überlieferung und sind ganz 
frei von byzantinischen Einflüssen. Drei grosse Mäanderstreifen 
teilen die Hochwand des Mittelschiifs in zwei horizontale Felder. 
In dem unteren ist auf jeder Seite der Wand eine Reihe von vier 
grossen Gemälden angeordnet. An der Südwand erscheinen: die 
Auferweckung des Lazarus, die Auferweckung der Tochter des 
Synagogenvorstehers und Heilung der Blutiiüssigen, Heilung des 
Aussätzigen. Die Nordwand enthält: Austreibung der Teufel aus 
dem Besessenen von Geraso, Heilung des Wassersüchtigen, der 
Sturm auf dem Meere, Heilung des Blindgeborenen. Der Bilder- 
cyklus kann in die Zeit des Bischofs Witigowo (984-990) gesetzt 
werden. Die Umrisse der fast ganz zerstörten Bilder sind braun; 
die Farben sind wahrscheinlich auf nicht ganz trockenen Grund 
gesetzt. Die Hochwände des Mittelschiffs tragen noch andere 
Malereien: in den Bogenzwickeln Medaillons mit tonsurierten 
Köpfen und zwischen den Fenstern je sechs Apostelbilder. Die 
Malereien des Chors sind zerstört. Das ganze Kircheninnere war 
polychrom behandelt: die Schäfte der Säulen tiefrot, die Kapitelle 
mit gelb in gelb gemalten Blattornamenten. Die Bilder an der 
Westapsis der Kirche zeigen dieselbe Technik wie die vorigen 
und dürften zu Anfang des 11. Jahrhunderts entstanden sein. Auf 
dem oberen Teil der Westmauer ist unter einem Mäanderfries in 
drei horizontalen Feldern das Weltgericht geschildert. In der 
Mitte der beiden oberen Felder thront Christus in der Mandorla 
auf dem Regenbogen sitzend, die Füsse auf der Erdkugel, rechts 
von ihm Maria, links ein Engel mit dem Kreuz; vier Engel mit 
Posaunen schweben in den Lüften; zur Rechten und zur Linken 
jß 860118 Apostel im mittleren Felde; das untere zeigt die Toten 
aus den Gräbern auferstehend. Die Mitte über dem Portal ist 
mit einer Kreuzigung, Christus zwischen Maria und Johannes, aus- 
gefüllt. Die Fleischteile aller dieser Gemälde sind, mit Ausnahme
        

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