Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319969
962 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
falls gewölbter Erker dem grossartigen Raum besonderen Reiz. 
In ähnlicher Weise sind an den anderen Ecken des Baues die 
vorspringenden Rundthürme verwendet. Der Saal, welcher gleich 
den übrigen Räumen des Schlosses wüst und öde liegt, bewahrt 
mancherlei Spuren einer originellen Dekoration der schon barock 
umgebildeten Spätrenaissance, ohne Zweifel unter Schickhardt 
ausgeführt; denn in seinem handschriftlichen Inventarium sagt 
er: "Newenstein, dem Herrn Craften Grafen zu Hohenlo etc. ge- 
hörig, da ich auch viel gebaut." Man kann von dem inter- 
essanten Werke nicht scheiden, ohne ihm eine verständnissvolle 
Wiederherstellung zu wünschen. 
Ueber den auf S. 776 als Baumeister des Schlosses zu 
Dresden genannten Hans von Dehn-Rotfelser ersehe ich nach- 
träglich aus Val. König, geneal. Adelshistorie I, S. 211, dass er 
im J. 1500 geboren, in seiner Jugend auf Reisen in fremden 
Ländern mancherlei Erfahrung und Geschicklichkeit erworben, 
dann von Herzog Georg zum Ober- Rüst und Forstmeister be- 
stellt wurde. Unter Kurfürst Moritz erbaute er das zuerst Schloss zu 
Radeberg, dann das Jagdschloss Moritzburg, das Schloss Senften- 
berg, sammt seinen Festungswerken, vor allem das Residenz- 
sehloss zu Dresden. Auch die Stadt selbst wurde durch ihn er- 
weitert und mit Basteien versehen, weshalb sein lebensgrosses 
Bild über dem von ihm erbauten Salomonsthore aufgerichtet ward. 
Er starb 1561 als Oberbaumeister der Festung und des Schlosses 
zu Dresden. 
Zum Schluss fassen wir die wichtigsten historischen Daten 
der deutschen Renaissance in kurzer Uebersicht zusammen, so- 
weit es sich dabei um architektonische Denkmäler handelt. 
Das früheste Werk würde der Wladislavsaal auf dem Hrad- 
schin zu Prag sein, wenn die schon ziemlich ausgebildete Re- 
naissance der Fenster Wirklich mit der Jahreszahl 1493 zu 
reimen wäre. Bekanntlich ist dies jedoch nicht ohne gewichtige 
Gründe bestritten worden. Dann folgt der Zeit nach- das Haus- 
portal des FederlhoPs zu Wien vom J. 1497, ein allerdings noch 
sehr schwächlicher Versuch in den Formen des neuen Stils. 
Sehr naiv ist auch die Renaissance an dem von 1509 datirenden 
Schloss J ohannisberg in Schlesien. Ein Werk von bedeuten- 
dem Aufwand dagegen ist der Thurm der Kilianskirche zu Heil- 
bronn, 1513 begonnen und in einem seltsamen Gemisch von
        

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