Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319952
Nachtrag und Nachwort. 
961 
Hauptportal aber ist in der südwestlichen Ecke des Hofes bei 
D ander dort befindlichen Haupttreppe angebracht, die ebenfalls 
in einem polygonen Stiegenhause liegt. Hier hat der Baumeister 
an den schlanken einfassenden Säulen und den breiten Pilastern, 
vor welchen sich dieselben erheben, sowie an den Friesen reiches 
Ornament von recht guter Erfindung und Ausführung verwendet, 
dessen Motive die bekannten Formen der ausgebildeten Renais- 
sance verrathen. Darüber erhebt sich eine Attika mit den reich 
behandelten Wappen des Erbauers Graf Ludwig Kasimir und 
seiner Gemalin, eingefasst von einer männlichen und weiblichen 
Figur. Dann kommt ein zweiter Fries, und darüber schliesst ein 
Flachbogenfeld mit der ruhenden Figur eines Flussgottes 
den schlanken Aufbau des Ganzen. Die Treppe, deren Spindel 
auf drei feinen vierkantigen Stützen ruht, gehört durch ihre gross- 
artige Anlage, die Meisterschaft der Construction und Gediegen- 
heit der technischen Ausführung zu den hervorragendsten ihrer Art. 
An der Südseite des Hofes bei EE fallen zwei grosse Bogen- 
nischen von beträchtlicher Tiefe auf, welche mit gothischen Netz- 
gewölben dekorirt sind. Sie standen ehemals durch breite fenster- 
artige Oeifnungen mit der dahinter liegenden Küche G in Ver- 
bindung und sind ein weiteres Beispiel jener sinnigen Anlage 
eines Dispensatoriums zur Austheilung der Speisen an Bedürftige, 
wie wir sie im Schloss zu Baden (S. 271) und in der Pilgerlaube 
zu Hämelschenburg (S. 857) angetroffen haben. Die Küche selbst, 
zu welcher man durch den daneben liegenden Thorweg F gelangt, 
ist ein grossartiger Bau, dessen Kreuzgewölbe auf gewaltigen 
Rundsäulen von gothischer Form ruhen. Von den inneren Räumen 
des Erdgeschosses ist sodann an der Ostseite eine Schöne Halle 
H, deren Gewölbe auf einer schlanken Rundsäule ruhen, hervor 
zu heben. Es war vielleicht ursprünglich die Sßhlosskapene- 
Ihre Verbindung mit den oberen Räumen hat sie durch eine kleine 
Wendeltreppe. Der glanzvollste Raum ist aber der Festsaal K, 
welcher im westlichen Flügel die nördliche Ecke ßinninlnlt- Man 
gelangt zu ihm durch einen unscheinbaren Zugang; aber auch 
hier bildet eine kleine Wendeltreppe die Communikation mit den 
oberen Geschossen, wie denn hier beim völligen Mangel innerer 
Galerieen durch zahlreiche versteckt liegende Wßndßltreppen 
solche Verbindungen bewirkt sind. Der Saal, gegen 35 F- breit 
bei 52 F_ Länge, zeigt gleich den übrigen Raumen mittelalterliche 
Anlage und Construktion: gothisch profihrte Netzgewölbe auf 
zwei mittleren Rundsäulen ruhend, die gekuppelten Fenster in 
tiefen Wandnischen der gewaltig dicken Aussenmauern liegend. 
An der Ecke giebt ein grosser kreuzförmig ausgebildeter, eben- 
K ugler, Gesch. d. Baukunst V. Öl
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.