Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319892
Nachtrag und Nachwort. 
955 
der Facaden geschieht durch einfache Pilaster, die im oberen 
Stock kannelirt sind und zwischen ihnen durch schlanke Cande- 
labersäulen, welche über dem Scheitel der Arkadenbögen ange- 
ordnet sind. Dreifach gruppirte Fenster in gothischer Protilirung, 
das mittlere stets etwas höher hinaufgeführt, durchbrechen die 
einzelnen Wandfelder. Es ist die am Oberrhein übliche Anordnung, 
die wir auch in Mühlhausen und Basel fanden. An der Hauptfront 
gegen die Strasse springt eine zierliche Altane in gothischen 
Formen vor. Der Bau zeigt also durchweg noch die Vermischung 
mittelalterlicher und moderner Elemente. Dem Rathhaus gegen- 
über liegt der Gasthof zur Krone, ein elegant durchgeführter 
Giebelbau der Spätzeit, datirt 1610. Er ist oben auf S. 182 irr- 
thümlich als Privathaus aus Colmar abgebildet, und auf Seite 258 
mit unrichtiger Angabe der Jahrzahl besprochen. 
Ein interessantes Haus sieht man zu Schletstadt in der 
Strassburgerstrasse N0. 18, laut Zeugniss der lateinischen Inschrift 
am Erker 1545 durch den damaligen Stadtbaumeister Stephan 
Ziegler erbaut, oder vielmehr „in meliorem faciem restitutum". 
Auch hier tritt noch einiges gothische Detail auf, aber überwiegend 
sind doch die Formen der Renaissance. Von der Begeisterung 
für das classische Alterthum, die grade hier durch die damals 
berühmte gelehrte Schule besonders kräftige Nahrung erhielt, zeugt 
am Gesims des oberen Geschosses die Inschrift: ARCHITECTIS 
VETERIBVS DICATVM. Die Pilaster enthielten nemlißh die 
leider zerstörten Medaillonköpfe antiker Architekten und Mathe- 
matiker. Der Name Archimedes ist noch lesbar. Ein späterer 
Giebelbau vom J. 1615 ist das zur protestantischen Kirche ge- 
hörende Haus, ebenfalls mit zweistöckigem Erker ausgezeichnet. 
In Kaisersberg bemerkt man schüchterne Anfänge der Renais- 
sance an einem grossen zweigiebligen Hause vom J- 1521- E111 
kleineres Haus mit barockem Giebel tragt das Datum 1515 und 
den Namen des Baumeisters Johann Volrhal. Ebendort manche 
anziehende Fachwerkhäuser, darunter ein besonders interessantes 
vom J. 1594. Neben der Kirche ein stattliches Gebäude, ehemals 
wohl Rathhaus mit zwei breiten Rundbogenportalen, einem Trep- 
penthurm und einem Erker, bezeichnet 1604, dabei folgender Vers; 
Dem heyligen Reich ist dises Halls 
Zue Lob und Ehr gemachet aus 
Darin die wahr Gerechtigkeit 
Gehalten Wirt zue jeder Zelt. 
ln Rappoltsweiler zeigt ein Brunnen vom J. 1536 in derben 
Formen den neuen Stil noch gemischt mit der Gothik. Rufach 
hat unweit der Kirche einen Ziehbrunnen auf Zwei Stark verjüngten
        

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