Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319744
940 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Emporen über den Seitenschiiien öfnen sich in ähnlicher Bogenform 
gegen das Mittelschiff. Dagegen zeigen sämmtliehe Raume spät- 
gothisehe Netzgewölbe; ebenso sind die Fenster spitzbogig mit Fisch- 
blasen-Masswerk; auch eine stattliche Rose an der Facade ist noch 
in guter spatgothiseher Weise gegliedert. Doch spielen bei der 
Behandlung der Details Eierstab und Perlsehnur eine g-rosse Rolle. 
Die Facade erhält nicht blos durch das Rosenfenster, sondern 
auch durch ein lustig dekorirtes Portal mit vier einfassenden 
Säulen und nischenartigem Aufsatz in spielend reichen Früh- 
barockformen lebendige Wirkung. Auch das anstossende Jesuiten- 
eollegium zeigt eine tüchtige Behandlung im beginnenden Baroeco, 
der südliche Flügel 1588, der westliche 1592, der nördliche ein 
Jahrhundert später erbaut. 
Von den Grabdenkmälern in der Karmeliterkirche zu Bop- 
pard, welche bereits S. 83 kurze Erwähnung fanden, theile ich 
in Fig. 252 das prächtige Wandgrab des Johann von Eltz und 
seiner Gemahlin vom J. 1548 mit!) Originell ist der Aufbau des 
aus drei Flaehnischen bestehenden Monumentes; reizvoll die feine 
Dekoration der Pilaster, der Bogenfüllungen und der wie aus Gold- 
schmiedewerk gearbeiteten Umsaumungen der Nischen. Im mitt- 
leren Felde sieht man die Taufe Christi dargestellt, zu beiden 
Seiten die knieenden Gestalten der Verstorbenen, bei denen selbst 
die Kostüme aufs zierlichste durehgebildet sind. Es ist eine 
Schöpfung von hohem decorativen Reiz. 
Andere elegante Epitaphien sieht man in der Kirche zu 
Meisenheim; doch haben dieselben bei Gelegenheit der fran- 
zösischen Invasionen stark gelitten. 
Besser ist es den anmuthigen Grabmälern in der Pfarrkirche 
zu Simmern ergangen. Eine Seitenkapelle bildet dort ein 
Mausoleum des ehemaligen Pfalzgräflichen Hauses. Zu den zier- 
lichsten Denkmälern der Frührenaissance gehört das Epitaph der 
Pfalzgräfin Johanna, gebornen Gräün von Nassau und Saarbrück, 
von welchem ich einen der eleganten Pilaster unter Fig. 253 mittheiie. 
Das Denkmal wurde wohl bald nach dem Tode der Dame (T 1513) 
durch ihren Sohn Johann II errichtet. Die Figur selbst nicht 
von hervorragendem Werthe. Eine tüchtige deeorative Arbeit 
ist sodann das Doppelmonument des eben genannten Pfalzgrafen 
Johann II (T 1557) und seiner ersten Gemahlin Beatrix von Baden, 
wahrscheinlich bald nach ihrem 1535 erfolgten Tode ausgeführt. 
Für seine zweite GemahlinMarie von Oettingen hat der Pfalzgraf 
L 
 Die Abb. nach einer Zeichnung meines Freundes, des Archit. W. B0 gle r 
Wiesbaden. 
Z 11
        

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