Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319738
Kap 
XVII. 
Die nordwestlichen Binnenländer. 
939 
von Putten gehalten, schliesst die Composition sinnreich ab. Auch 
die Hausthür ist durch treffiiches Schnitzwerk in üppigen Formen 
ausgezeichnet. Denselben Charakter hat im Hausiiur die Wendel- 
treppe, die an jeder Stufe mit Ornamenten bedeckt und am 
Aufgangspfeiler mit einer kräftigen Figur des Atlas belebt ist. 
Gewiss hat Vieles von solchen Werken innerer Ausstattung 
im Lauf der Zeiten seinen Untergang gefunden. Um so werth- 
voller sind die wenigen erhaltenen Beispiele, denen sich vielleicht 
noch andere, die mir entgangen sein mögen, anschliessen.  
In der Umgegend von Köln besitzt Brauweiler in seiner 
Abteikirche zwei Seitenaltäre, der eine minder interessante vom 
J. 1562; der andere von 15521) ein werthvolles Werk, ungefähr 
im Charakter jenes in der Krypta von S. Gereon, ebenfalls in 
Tuffstein ausgeführt und ursprünglich reich bemalt. Der Aufbau 
über der Mensa beginnt mit einer Predella, welche in Nischen 
die Brustbilder von vier Heiligen zeigt. Darüber erheben sich 
vier reich dekorirte korinthische Pilaster, Welche in der Mitte 
eine grosse Nische mit der gegen 4 Fuss hohen Gestalt des 
Antonius Eremita, an den Seiten je zwei kleinere Nischen über 
einander mit halb so grossen Figuren weiblicher Heiligen ein- 
schliessen. Ueber dem Gesims ist die Dedicationstafel als reich 
eingefasster Aufsatz angebracht; die obere Krönung des Ganzen 
bildet ein Kruzitixus. Alle Gliederungen sind mit eleganten Laub- 
Ornamenten im zierlichen Stil der Frührenaissance bedeckt. In 
den oberen Theilen spielt eine Reminiscenz gothischer mit Krabben 
besetzter Bögen hinein. Die Ausführung scheint durchweg von 
grosser Feinheit. Die Pilaster haben zart gezeichnetes Laubwerk, 
Gold auf blauem Grunde. Die korinthischen Kapitäle Sind ganz 
vergoldet; ebenso die Seitenverzierungen des Aufsatzes. Die 
Figuren in den Nischen haben durchweg Bemalung und Vergol" 
dung; die Nischen sind auf blauem Grund mit silbernen Orna- 
menten bedeckt. 
Rheinaufwärts ist zunächst in Andernach der Leyische 
Hof als ein Steinbau der Spatrenaissance mit prächtigem Bamck" 
portal bemerkenswerth. In Coblenz sind mehrere Erker, S0 die 
an der Ecke der Kreuzstrasse, zu nennen. Wichtiger ist aber 
die Jesuitenkirche, ein stattlicher Bau der Spätzeit, etwas früher 
als die Kölner, von 1609-1617 aufgeführt, und Wieder in anderer 
Weise Mittelalter und Antike mischend. Die drei Schiffe werden 
durch dorische Säulen mit Rundbogen-Arkaden getheilt; auch die 
 Nach Notizen des Herrn F. Fr an tz en und einer treftlichen Aufnahme 
des Herrn Architekten C. Lammes in Köln.
        

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