Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319635
Kap 
XVII. 
Die nordwestlichen Binnenländer. 
929 
zierlichem Laubornament bedeckt. Dazu reiche figürliche Reliefs: 
Abraham und Melchisedech, die Mannalese, der Baum des Lebens, 
oben das Abendmahl, dies Alles freilich nur Mittelgut. 
In S. Gercon besitzt die Krypta einen treftlichcn Altar, der 
um 1550 entstanden sein mag. Vier reich dekorirte Pfeiler, da- 
zwischen und daneben vier Heiligenstatuen, und in der Mitte ein 
Cruciüxus; darüber ein ziemlich kraus componirter Aufsatz, eben- 
falls mit feinen Ornamenten der Frührenaissance bedeckt. Das 
reich polychromirte Werk, dessen genauere Untersuchung die 
Dunkelheit des Ortes sehr erschwert, ist aus einem feinen Tuff- 
stein, der in der Eifel bricht, gearbeitet. Ein treffliches Schnitz- 
 werk ungefähr derselben Epoche ist in der Oberkirche das schöne 
Orgel gehäuse durch feine lisenenartige Pilaster gegliedert und 
mit elegant g-ezeichnetem Laubwerk geschmückt, dabei massvoll 
vergoldet. (Die allerliebsten musicirenden Engel wohl ein späte- 
rer Zusatz.) Das Ganze gipfelt hoch oben in drei luftig durch- 
brochenen kuppelartigen Tabernakeln. Ein ungemein b1'illantes, 
reich mit figürlichen "Darstellungen ausgestattetes Werk der 
Schlussepoche dagegen ist das Sakramentsgehäuse. Es trägt 
das Monogramm EH. 
Aus derselben Spätzeit besitzt Maria Lyskirchen eine 
prächtig barocke Orgel und am Hauptportal eine tüchtig ge- 
schnitzte Holzthür von 1614. 
Ein Hauptwerk vom Ausgang unserer Epoche ist aber die 
grossartige Jesuitenkirche, von 1621-1629 erbaut, in der Aus- 
stattung zum Theil noch später (1639.) Trotz des späten Datums zeigt 
sie die so oft vorkommende Verschmelzung von Gothik und Renais- 
sance, aber in ganz andrem Sinn als die Kirche zu Wolfenbüttel. 
Hier in unmittelbarer Nähe des Meisterwerkes mittelalterlicher 
Construction versteht man die gothischen Formen 110011 recht 
gut und baut eine dreischiftige Kirche mit hohem Mittelschiff V01! 
ansehnlichen Dimensionen. Da man der Predigt wegen viel 
Raum bedarf, so giebt man den Seitenschitfen ein vollständiges 
Obergeschoss, unten und oben mit klar entwickelten Sterngewvölben. 
Diese ruhen auf schlanken Rundpfeilern mit antikisrrenden Kapi- 
tälen, von Welchen sich aber in halber Sohafthöhe die unteren 
spitzbogigen Arkaden ohne alle Vermittlung abzweigen. Auch 
das Mittelschiff hat Netzgewölbe von einfach klarer Composition. 
Die Fenster sind durchweg spitzbogig mit Masswerken? die frei- 
lich nicht mehr sehr edel und organisch sich entfalten, aber doch 
immer noch gutes Verständniss im Sinne der Spätgothil: bekunden. 
Dies Alles sowie der polygon geschlossene Chor und die ebenfalls 
polygonen Seitenchöre muthet noch völlig mittelalterlich an. 
Kugler, Gesell. d. Baukunst. V. 59
        

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