Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319611
Kap 
XVII. 
Die nordwestlichen Binnenländer. 
927 
und Oberrhein, zwischen Norddeutschland und Holland und den 
süddeutschen Gebieten. Noch jetzt erkennt man in dem gothischen 
Rathhaus mit seinem prächtigen Hansesaal, in dem Gürzenich 
und den grandiosen Befestigungen mit ihren Mauern, Thoren und 
Thürmen die Macht des damaligen Bürgerthums, die im Kampfe 
mit der geistlichen Gewalt endlich soweit erstarkte, dass die 
Erzbischöfe gezwungen wurden ihre Residenz nach Bonn zu verlegen. 
Die Renaissance freilich kommt in der Stadt, deren monumentale 
Bedeutung im Mittelalter wurzelt, nur in bedingter Weise zur 
Geltung. Der bürgerliche Privatbau ist auffallend dürftig, selbst 
im Schluss der Epoche noch unscheinbar; die Rathhaushalle ist 
der einzige profane Prachtbau. Etwas günstiger dagegen stellt 
es sich in Werken kirchlicher Art. Doch auch hierbei handelt 
es sich mehr um einzelne dekorative Arbeiten als um grosse 
Gesammtconceptionen. Nur die Jesuitenkirche am Ausgang der 
Epoche macht eine Ausnahme. 
Bezeichnend für das Verhalten Kölns zu dem neuen Stile ist 
der Umstand, dass das früheste Werk, mit welchem derselbe hier 
auftritt, sich auf den ersten Blick als eine flandrische Arbeit zu 
erkennen giebt. Ich meine den prächtigen, jetzt als Orgelempore 
aufgestellten Lettner in der Capitolskirche, der nachweislieb im 
Auftrage des kaiserlichen Raths und Hofmeisters Georg Hackenay 
von einem Künstler in Meeheln gearbeitet und 1524 nach Köln ge- 
bracht wurde!) Die reichgegliederte Architektur dieses pracht- 
vollen aus weissem und schwarzem Marmor errichteten Werkes, 
namentlich die gebündelten Pfeiler mit ihren Laubkapitälen, Gurten 
und Basen, auch die Nischen der Brüstung mit ihren überschwänglich 
üppigen Baldachinen zeigen ein originelles Gemisch von spät mittel- 
alterlichen und Frührenaissance-Formen. Und zwar dies Alles 
sowie der Stil der zahlreichen iigürlichen Reliefs und Statuetten 
in einer Behandlungsweise, die sofort an ilandrische Arbeiten jener 
Zeit erinnert. Die neuerdings veröffentlichten urkundlichen Nach- 
richten bestätigen das Urtheil, welches aus dem künßtlerißehen Cha- 
rakter des Werkes sich aufdrängt. 
Es dauert nun noch eine Weile, ehe bei einheimischen Meistern 
die Renaissance sich einbürgert. Die ersten Spuren fand ich bei 
einem unscheinbaren Wandepitaph des 1539 Verstorbenen Anton 
Keyfeld im nördlichen Chorumgang des Domes. Das kleine Denk-- 
mal, von Oandelabersäulchen mit hübschen Widderkopfkapitälen 
eingerahmt und von einem Giebel bekrönt, enthält ein gutes Re- 
lief der Auferstehung Christi, dabei der Verstorbene im Geleit 
ÜVgl. L. 
Ennen in der Zeitschr. 
bild. 
VII, 
Kunst 
139
        

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