Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319595
XVII. 
Kap 
Die nordwestlichen Binnenländer. 
925 
In der Marienkirche ist die reichgeschnitzte Orgelempore 
ein noch völlig gothisches Werk. Die geschuppten ionischen 
und die kannelirten dorischen Pilaster des rechten Flügels der 
Brüstung gehören offenbar einer späteren Erneuerung an. 
Bei der Reinoldikirche ist der imposante viereckige Thurm 
der Westfacade wohl als das beste und bedeutendste derartige 
Werk unsrer Renaissance zu bezeichnen. Die lisenenartigen Ver- 
stärkungen der Ecken, die Profile der Fenster- und Bogennischen 
mit ihren Einkehlungen erinnern noch an's Mittelalter. Die 
Galerie, welche den hohen viereckigen Bau abschliesst, hat ein 
schönes Gitter von Schmiedeeisen mit prächtigen Blumen auf den 
Ecken. Der achteckige Aufsatz mit seinen beiden Kuppeln, La- 
ternen und der schlanken Spitze hat bei tretflichen Verhältnissen 
einen edlen Umriss. Die Gesammthöhe beträgt 254 Fuss. Die 
Aufführung des Werkes geschah, nachdem der frühere gcthische 
Spitzthurm in Folge des Erdbebens von 1640 im Jahre 1659 ein- 
gestürzt war, erst seit 1662 durch die Baumeister Pistor von 
Elberfeld und Johannes Feldmann von Dortmund. 
Rheinland. 
Am Niederrhein sind nur vereinzelte Werke der Renaissance 
zu VerzeißhnenJ) In Emmerich bewahrt die Kirche einen 
messingenen Taufkessel in den Formen der Frührenaissance. 
Wesel besitzt am Markt ein Giebelhaus ganz von Hausteinen in 
edlen Renaissanceformen durchgebildet. In Xanten zeigt der 
Kreuzgang- am Münster- Gewölbe mit Renaissanceeonsolen, und 
das Münster selbst schöne Epitalahien. In Calcar finden sich 
mehrere Ilolzschnitzaltäre, theils in gothisehen, theils in Früh- 
renaissancefcrmen. In Joch mehrere Steinbautcn mit Erkern und 
ein Stadtther mit runden 'l'hürmen. In der Kirche zu Kenipen 
ein Orgelgehäuse noch aus früher Renaissancezeit. In Düssel- 
dorf bewahrt die Stadtkirehe das prächtige Mannorgrab Herzog 
Wilhelms von Jülich-Cleve-Berg (T 1592), Wahrscheinlich eine 
niederländische Arbeit. Ein originell in streng classicistischer 
Weise durchgeführtes Werk ist der als Archiv dienende Anbau 
am Rathhaus in J ülich, noch in guter Renaissancezeit errichtet. 
Unsere Abbildung (Figa 250) giebt über das Einzelne Aufschluss. 
1) Werthvolle Notizen, unterstützt von tfefflichen Zeichfmungen hat Herr 
Baurath Raschdorf f mir mitgetheilt, dem xch für seme elfrige Förderung 
meiner Studien dankbar bin.
        

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