Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319559
Kap. XVII. 
nordwestlichen Binnenländer. 
Die 
921 
Eine ansehnliche Zahl von Profanbauten der Spatrenaissance 
giebt von dieser letzten Blüthe bürgerlicher Selbständigkeit Zeug- 
niss. Eins der prachtvollsten Werke ist der neben dem Rathhaus 
sich erhebende hohe Giebelbau, in den Formen der Spatzeit 
kräftig durchgeführt, mit besonders reichem auf Säulen ruhendem 
Balkon und phantastisch barock geschweiften) und gekröntem 
Giebel (Fig. 249). Namentlich der Balkon ist ein ausgezeich- 
netes Werk von grosser Delikatesse der Ausführung. Der Kern 
des Baues, der früher als Stadtweinhaus, im unteren Geschoss als 
Stadtwaage diente, stammt aus dem Mittelalter und wurde erst 
um 1615 mit der prächtigen Facade geschmückt, welche als eins 
der glanzendsten Werke der schon stark zum Barockstil gewen- 
deten Spätrenaissance zu betrachten ist. Der als "Sentenzbogen" 
bezeichnete Vorbau war zur Verkündigung der gerichtlichen Ur- 
theilssprüche bestimmt. Ergötzlich klingt eine Urkunde des stad- 
tischen Archivs, laut welcher zwei Mitglieder des Steinhauer- Amtes, 
weil sie die Architektur des Baues nicht als "opus doricum" 
gelten lassen wollten, vom Magistrat wegen solcher Missachtung 
seines Baumeisters zu 20 Thlrn. Injurienstrafe verurtheilt wurdeni). 
Man hatte also damals schon verschiedene Ansichten über dori- 
sehen Stil! 
Zu den frühesten Bauten dagegen gehört das Haus am 
Prinzipalmarkt No. 17 und 18 mit einem Doppelgiebel vom Jahre 
1571. In strenger classizistischer Behandlung wird das Erdge- 
schoss von dorischen, der erste Stock von toskanischen, der 
zweite von ionisehen Halbsaulen gegliedert. Ein hübscher Erker, 
auf eleganten Gonsolen ausgebaut, hat einen antiken Giebel als 
Abschluss. Die ganze Behandlung ist einfach, aber edel. Die 
Facade in der Seitengasse ist schlicht in Backstein ausgeführt, 
nur die Einrahmungen der Fenster und die Gesirnse in SallflStßill- 
An einem polygonen Treppenthurm liest man 4.116 Jßllrlälll 1569. 
Von ähnlicher Einfachheit ist die grosse Facade Rothenburg No. 
167, nur noch sparsamer gegliedert, mit Fortlassung der ver- 
tikalen Theilung. Auch hier ein hübscher Erker auf Oonsolen 
im Hauptgeschoss, mit Lisenen der Frührenaissance eingefasst. 
Dies Motiv des Erkers kommt in späterer Zeit an einem Hause 
der Bogenstrasse No. 34 zu einer ebenso reichen als eleganten 
Durchbildung im kraftvollsten Stil der Spatzcit. Der obere Theil 
der Facade leider nüchtern verzopft. 
Die Mehrzahl der Münster-sehen Facaden gehört derselben 
Spätzeit, meist schon dem 17. Jahrhundert. Es sind sämmtlich 
Tophoff, 
in der Wiener Allg. 
Aufn. 
Bauzeitung 
1872.
        

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