Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319544
920 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Nur Weniges haben wir in Osnabrück zu verzeichnen. 
Ein Steinhaus am Markt N0. 18 mit hohem, auch ziemlich einfach 
decorirtem Giebel gehört der mittleren Epoche an. Einige hübsch 
geschnitzte Holzhäuser bewegen sich in den mehrfach erwähnten 
Formen: Fächer und Rosetten an den Brüstungen, gewundene 
und gerippte Rundstäbe an den Schwellen. So das elegant durch- 
geführte Haus Krahnstrasse N0. 7 vom Jahre 1586. Von der- 
selben Hand die Facade N0. 43 in der Dielinger Strasse. An 
beiden in der Mitte Adam und Eva dargestellt. 
Weit ansehnlicher kommt die Renaissance in Münster zur 
Geltung. Die alterthümliche" Stadt ist nicht blos wegen ihrer 
grossartigen kirchlichen Denkmäler des Mittelalters von Bedeu- 
tung, sondern sie steht auch in erster Linie unter denjenigen 
deutschen Städten, welche einen reich durchgebildeten Profanbau 
aus den verschiedensten Epochen aufzuweisen haben. Da.s edle 
gothische Rathhaus, dessen Giebelfaeade eine der schönsten Corn- 
positionen des Mittelalters zeigt, wird von ganzen Reihen hoch- 
ragender Privatbauten begleitet, welche wie sonst nirgendwo in 
Deutschland die Hauptstrasse, besonders den Principalmarkt mit 
ihren stattlichen steinernen Arkaden einfassen und denselben 
einen ungemein grossartigen monumentalen Ausdruck etwa im 
Charakter der Strassen von Bologna, Padua und andern italie- 
nischen Städten verleihen. Die Mehrzahl dieser Häuser stammt 
noch aus dem Mittelalter, die Arkaden ruhen mit schlanken 
Spitzbögen auf einfach kräftigen viereckigen Pfeilern, oder auch 
auf Rundsäulen, und die Giebel sind abgestuft und auf den 
einzelnen Absätzen mit geschweiften gothischen Maasswerkfül- 
lungen versehen. Alle diese Profanbauten geben ein deutliches 
Zeugniss von der frühen Entwicklung der Stadt, welche, oft im 
Gegensatz zu der bischöflichen Gewalt, sich zu selbständiger Be- 
deutung erhob und durch ihre Verbindung mit der Hansa zu 
hoher Blüthe gelangte. Beim Eintritt in die neue Zeit schien es 
sogar einen Augenblick, als lob sie sich dem Protestantismus 
zuwenden würde, und selbst der Bischof Friedrich III (1532) war, 
im Gegensatz zu dem- heftigen Widerstreben des Domkapitels, 
der Einführung der Reformation nicht abgeneigt. Aber durchden 
Wahnwitz der Wiedertäuferei wurde die ruhige Bahn der Reform 
gekreuzt, und als diese wilde Orgie 1536 blutig erstickt war, 
erhob sich als natürliche Folge eine kirchliche und staatliche Re- 
action. Dennoch erstarkte der trotzige Unabhängigkeitssinn der 
Bürger bald zu neuer Opposition und erst dem gewaltigen Bischof 
Christoph Bernhard von Galen (1661) gelang- es dauernd den 
stolzen Sinn der Bürgerschaft zu brechen.
        

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