Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319528
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Strasse mit steinernem Unterbau zu beachten. Ein reicher und ori- 
gineller Steinbau der Spätrenaissance war der ehemalige Waisenhof, 
von welchem interessante Theile bei dem neuen Gymnasium durch 
Raschdorifs geschickte Hand zur Verwendung gekommen sind. 
Etwas reicher ist die Ausbeute in Minden. Die prächtige 
Fagade der Hohenstrasse, welche in der Axe der Bäckerstrasse 
steht, gehört zu den schönsten der Zeit. Bis zur Spitze des 
Giebels in sieben Geschossen mit kannelirten am untern Theil 
frei dekorirten korinthischen Säulen gegliedert, die Voluten des 
Giebels mit Männertiguren durchbrochen, zeigt sie ein reiches pla- 
stisches Leben. Die Formen deuten auf die Zeit von c. 1570. 
Neben der Facade führt ein Bogenportal in den Hof, wo man 
zwei vermaueite Säulenordnungen in der Seitenfacade bemerkt. 
Ueber dem Portal sieht man in reich dekorirten Nischen sieben 
Statuetten, bezeichnet als Alexander Magnus, J ulius Caesar, Augustus 
Caesar, Harminius dux Saxonum, Carolus Magnus, Widekindus 
rex Saxonum, Hector dux Trojanorum. 
Von ähnlicher Art, aber etwas später, ist die stattliche, breite 
und hohe Facade in der Bäckerstrasse 48, auch hier der mächtige 
Giebel mit Halbsäulen in drei Geschossen gegliedert, dazwischen 
Flachnischen, Alles mit Bändern geschmückt, die ein sternförmiges 
Ornament zeigen. Die Voluten des Giebels mit durchbrochenen 
Gliedern entwickelt, in welchen männliche Figuren klettern. Die 
beiden Erker des Erdgeschosses und ersten Stocks sind in reichen 
Rococcoformen umgearbeitet. In derselben Strasse 56 eine schlich- 
tere Facade ohne Verticalgliederung, aber mit seltsam barocken 
Voluten am Giebel. Erker kommen öfter vor und erinnern in 
Anlage und Form an die Hannoverschen. Eine der späteren 
Facaden, am Markt 172, vom Jahr 1621 ist an Pfeilern und Frie- 
sen" mit Metallornament reich bedeckt; ebenso an dem Bogenportal, 
dessen Quader mit Sternmustern geschmückt sind; ein durch drei 
Geschosse reichender Erker hat als Einfassung elegante Säulen. 
Einen ähnlich hübsch decorirten Erker hat auch das gothische 
Rathhaus an der Rückseite, während die Vorderseite mit tretilich 
wirkenden frühgothischen Arkaden ausgestattet ist. Ein sehr ele- 
gantes Barockportal vom Jahr 1639 zeigt die übrigens moderni- 
sirte Facade am Poos N0. 90. Ausserdem kommen noch einige 
unbedeutende Holzbauten vor. 
In Paderborn ist das Rathhaus ein grossartiges Werk der 
Schlussepoche. An einen aus dem 13. Jahrh. rührenden Bau 
legte man von 1612  16161) nach Westen einen Neubau, der 
Notizen verdanke ich Herrn Professor 
1) Die histor. 
Giefers.
        

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