Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319470
KaI-V 
XVII. 
Binnenländer. 
Die nordwestlichen 
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üppiger, mit stärkerer Anwendung von Barockformen ist der zwei- 
stöckige ebenfalls ganz mit Fenstern durchbrochcne erkerartige 
Vorbau an der nördlichen Ecke. Die Fenster sind hier im Erd- 
geschoss und im obern Stock mit ionischen und korinthischen 
Säulen und dazwischen mit fein ornamentirten Pfeilern gegliedert, 
die Brüstung im oberen Stock mit kräftigen Bildnissen ausgestattet, 
der Giebel mit krauscm Bandwerk des Barockstils völlig bedeckt. 
An dem entgegengesetzten südlichen Ende der langen Westfacade 
ist wiederum ein Erker im Hauptgesehoss vorgebaut, auf zwei 
breit gespannten Flachbögen mit dorischen Säulen ruhend, ähnlich 
behandelt, wenn auch im Ganzen etwas nüchterner, die Quader 
an den Bögen und den Fensterpfosten mit Sternmustern ge- 
schmückt, dazwischen einzelne Steine mit prächtigen Löwenköpfen 
und Masken, am untern Theil der schlanken Säulen Relieftigürchen 
von Tugenden, die Giebel etwas trocken mit aufgerollten Bändern 
eingefasst. 
Ausserdem ist eine grosse Anzahl von Giebelhäusern, theils 
in Stein theils in Holzbau, meistens aus der Epoche der Renais- 
sance in den Haüptstrassen noch vorhanden, die der Stadt ein 
ungemein malerisches, alterthümliches Gepräge verleihen, wie es 
wenige deutsche Städte noch so unberührt besitzen. Unter den 
Steinbauten ragt durch Grossartigkeit der Anlage und gediegene 
Pracht der Ausführung ein Haus der Breiten Strasse vom J. l571 
hervor, mit fein behandeltem Bogenportal und zwei Plüßhtlgen 
Erkern, von denen der eine im Hauptgeschoss auf Consolen vor- 
gebaut ist, während der andere gleich von unten emporsteigt 
(Fig. 247.) Der mächtige Giebel und der obere Theil der Facade 
erhält durch kannelirte Halbsäulen ionischer und korinthischer 
Ordnung und reich gegliederte Gesimse eine wirksame Eintheilung. 
Auch die kraftvollen Voluten mit ihren Muschelfüllungen ent- 
sprechen dem Charakter des Uebrigen. Im ersten Geschoss erheben 
sich über dem Portal Adam und Eva, und zwischen ihnen der 
Baum der Erkenntniss. An den Brüstungen der Erker Sleht man 
links zwei wappenhaltende Engel und die Figuren von Glaube 
und Hoffnung, an dem kleineren Erker rechts Liebe, Tapferkeit 
und Gerechtigkeit. Ueber der Thür die Inschrift: In Gades Namen 
unde Christus Frede heft dyt Hues Herman Kruwel buet an dise 
Stede.  Weiter besitzt das jetzige Hilllptsteuemmt an der 
Fagsade des sonst unbedeutenden Baues einen vielleicht von dem- 
selben Meister errichteten Erker, mit reichen Wappen in den Fenster- 
brüstungen und mit drei halbrund geschlossenen Giebeln. 
Besonders schön ist der Fachwerkbau entwickelt, und zwar 
in jener eleganten Form, die wir in dem benachbarten Höxter 
Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 55 
        

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