Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319412
Kap. XVII. 
Die nordwestlichen Binnenländer. 
907 
Bogenfelder und Friese. Das Alles ist auf weissem Grunde, in 
den Seitenschiden farblos, im Mittelraum aber mit sparsamer An- 
wendung von Gold und Farbe zu einer bewundernswürdig ele- 
ganten Wirkung gebracht. Die Ornamente sind in einem braunen 
Ton contourirt, mit kräftigen Sehattenlinien und massvoller An- 
wendung von Gold; die überall als Ausläufer der Form sich ent- 
wickelnden Masken und dgl. sind farbig gehalten, das Gold für 
die Hauptlinien aufgespart, so dass die Wirkung höchst delikat 
und elegant ist. Die Brüstungen der Emporen, durch barocke 
Consolen getheilt, haben die für sie bestimmten Reliefs, welche 
durch fortlaufende Nummern angedeutet werden, Wohl nißmalS 
erhalten und fallen deshalb aus der Gesammtwirkung heraus. 
Dagegen sind von treiflichem Effekt die zahlreichen goldenen 
Schilde an den Friesen, welche mit Bibelsprüchen in dunkler 
Schrift bedeckt sind. An den obersten Schildbögen sind liegende 
Apostelgestalten in Stuck ausgeführt. Der Altar von weisseni 
Kalkstein ruht auf den Emblemen der Evangelisten. Sehr hübsch 
ist über ihm auf einer Console die Kanzel vorgebaut. In der 
ganzen Deutschen Renaissance kenne ich keinen Innenraum von 
ähnlicher Feinheit der Dekoration. 
Die übrigen Theile des Schlosses befinden sich in einem Zu- 
Stande schmachvoller Verwahrlosung, dem die Pleusslsclle R6" 
gierung hoifentlich bald ein Ende machen wird. Da nämlich 
1813 das Schloss als Lazareth verwendet wurde, lltt llle lllllftle 
Ausstattung desselben erheblich, erfuhr dann aber vollständige 
Verwüstung, weil in Folge des ausgebrochenen Lazarethfiebers 
alle Gegenstände, und zwar nicht blos die vergoldeten Leder" 
tapeten, sondern auch die Fenster, Thüren und Fussböden heraus-- 
gerissen wurdenl) Im nördlichen Flügel enthält das obere Stock- 
werk den Riesensaal, welcher bei 90 F. Länge und 45 F- Brelte 
die geringe Höhe von etwa 15 F. misst. Seine langen Deck- 
balken sind in der Mitte durch drei Holzsäulen, an den _Wänden 
durch entsprechende Steinpfeiler gestützt, die sehr Oilglllell als 
barocke Gonsolen ausgebildet sind. Die Decke zeigt llocll Reste 
von Malereien, ebenso die Wände. Ein Kamin erhebt sich an dem 
einen Ende, an dem andern ein grosser Ofen, der untere Theil 
von Eisen, 1584 bezeichnet, der obere Theil W11 Sßllwarzglasllttfm 
Thon mit Hermen und Karyatiden dekorirt, an den Feldern Chris- 
tus am Kreuze und andere biblische Darstellungen in etwas stum- 
pfen Reliefs; der Abschluss gegen die Wand wird in phan- 
die Baudenkm. 
Dehn-Rotfelser und Lotz, 
im Reg. 
Bezirk 
Cassel,
        

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