Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319405
906 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
sechseckiger Thurm mit angelehntem runden Treppenthurm. Im 
Uebrigen ist das Schloss in einem Guss entstanden; 1586 liest 
man im Hofe; 1590 wurde die Kapelle geweiht und 1610 in der 
Ausstattung vollendet. 
Das Schloss bietet sich von aussen, auf sanft ansteigender 
Höhe über der Stadt gelegen, als ein schmuckloses, massenhaft 
behandeltes Viereck, an der westlichen, der Stadt zugekehrten 
Seite mit einem Haupteingang und auf dem südlich vorspringenden 
Flügel mit einem viereckigen Thurm versehen, der mit achteckigem 
Aufsatz über dem Dache emporragt. Im Innern entfaltet sich in 
dem grossen viereckigen Hof ein reicheres architektonisches Leben. 
In der Hauptaxe liegen die beiden dominirenden Eingänge mitten 
im westlichen und östlichen Flügel, der letztere mit dem Brust- 
bilde des fürstlichen Erbauers geschmückt. In den Ecken sind 
vier polygone Treppenthürme angebracht, mit reich behandelten 
Portalen. Noch drei andere Eingänge liegen im Hofe, so dass 
dieser im Ganzen mit neun Portalen versehen ist, alle verschieden 
behandelt, sämmtlich in üppigem schon stark barock entwickeltem 
Stil, mit reicher Anwendung von Metallornamenten opulent und 
gediegen in Sandstein durchgeführt. 
Im südlichen Flügel führt ein Portal in die Kapelle. Es 
ist ein einfaches Rechteck etwa 50 F. lang und 40 F. breit, durch 
zwei Reihen von Pfeilern in drei Schiffe getheilt, mit flachbogigen 
Kreuzgewölben bedeckt. An der Westscite erhebt sich der Altar, 
über ihm an der Schlusswand die Kanzel und darüber die Orgel. 
An den drei andern Seiten ziehen sich niedrige Umgänge, darüber 
zwei Emporen um das Mittelschiff. Der Zugang zu diesen liegt 
am Ostende des südlichen Seitenschilfs in einer Wendeltreppe, 
der Zugang zur Kanzel und Orgel in dem der Westscite vorge- 
bauten Thurm. Der Raum empfängt in allen Theilen ein reich- 
liches Licht durch gekuppelte Fenster mit gothischem Kehlenprofil. 
Die Gewölbe des Mittelschiffs werden durch dreifache Zuganker 
zusammengehalten. Die obere Reihe derselben, die ursprüngliche, 
ist in der Mitte mit hübsch gemalten Fruchtschnüren geschmückt. 
 Einen hervorragenden Werth darf der kleine Raum bean- 
spruchen durch die ebenso massvolle als wirksame Dekoration, 
die in solcher Vollständigkeit und Erhaltung kaum anderswo 
sich findet. Alle Flachen sind auf's Eleganteste mit Stuck be- 
kleidet, an den Gewölbrippen sieht man feine Perlschnüre, an den 
Gewölben der Emporen und des Mittelschiffes entfaltet sich die 
reiche Ornamentik der Zeit mit Masken, Frucht- und Blumen- 
gewinden, Voluten und mannigfach erfundenen Metallornamenten. 
Die letzteren bekleiden ausserdem sämmtliehe Flachen der Pfeiler,
        

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