Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319306
896 
III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance in 
vorragenden Schöpfung der Zeit (Fig. 242). Gleich daneben zur 
Rechten ein Haus von ähnlicher Anlage, ebenfalls mit einem Erker 
geschmückt, die Fenster von Säulen eingefasst, das Ganze schlicht 
und anspruchslos, aber in den Formen von einer Zartheit und 
Delikatesse, welche ein spezifisch hannoversoher Zug ist. Am 
untern Theil der Säulen z. B. ganz feine lineare Ornamente, in den 
einzelnen Stockwerken die verschiedenen Säulenordnungen ver- 
wendet. Etwas später, in den Formen trockner, die Säulen aus- 
schliesslich im dorischen Stil, das riesig hohe schräg gegenüber- 
liegende Giebelhaus, ebenfalls mit einem Erker versehen. Die 
Fahne auf dem Giebel trägt die Jahrzahl 1658. Genau diesem 
Bau entsprechend, wahrscheinlich von demselben Meister ausge- 
führt, das gewaltige Haus am Markt N0. 16. In der Schmiede- 
strasse N0. 5 ein ähnliches, aber ohne Erker, in den Friesen 
reiche Metallornamente. 
Ein üppiger schon stark barocker Giebelbau mit Masken 
und andern Ornamenten Leinstrasse 3, (der untere Theil der 
Fagade nüchtern modernisirt). Ebenda N0. 32 ein stattliches 
etwas trocken behandeltes Haus mit einem eleganten Erker vom 
Jahre 1583. Von dem Hause derselben Strasse N0. 25 sind nur 
die unteren sehr zierlichen Säulen des Erkers erhalten. Am 
Markte N0. 6 eine imposante Facade von 1663, dem Leibnitz- 
haus an Reichthum nahe stehend, doch ohne figürliche Ornamentik. 
Alle diese Häuser haben sehr stattliche Verhältnisse und 
ungewöhnlich hohe Stockwerke, die durch ihre Säulenstellungen 
ein noch vornehmeres Gepräge gewinnen. Vergleicht man sie 
mit den durchweg niedrigen Geschossen der Holzhäuser, so 
erkennt man auch darin leicht die Einwirkung fremdländischer 
Sitte. Eins der schönsten Werke vom Jahre 1621, Lange Laube 
N0. 1, ist in neuerer Zeit abgebrochen, aber durch Mithoff für 
Professor Oesterley mit Beibehaltung aller alten Theile sehr ge- 
schickt in einer den modernen Anforderungen entsprechenden 
Composition wieder aufgebaut worden. 
Mehrmals verbindet sich an den Facaden, ähnlich wie in 
dem benachbarten Braunschweig, der Steinbau mit dem Holzbau, 
so dass Erdgeschoss und erster Stock dem ersteren gehören, die 
oberen Theile in Fachwerk ausgeführt sind. So in ungemein 
reizvoller Verbindung an einem Hause Rossmühle N0. 8, wo be- 
sonders der Steinbau zu hoher Eleganz durchgebildet ist. Aehn- 
lich l-löblingerstrasse N0. 9, wo auch der Fachwerkbau zierlich 
entwickelt ist, und die unteren Theile die hier so beliebte Säulen- 
architektur der Fenster in edelster Behandlung zeigen. In dersel- 
ben Weise das Haus Burgstrasse 23 vom Jahre 1620, durch
        

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