Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319236
Kap- 
XVI. 
Niedersachsen. 
889 
baues (Fig. 238). Die ganze Faeade wird mit Holz verkleidet, 
so dass alle Theile der Construction bis auf die als kräftige Con- 
solen entwickelten Balkenköpfe mit ihren Stützen verhüllt werden. 
Die Sehwellbalken bilden einen durchlaufenden Fries, der mit 
Ornamenten bedeckt ist. Eine eonsequente vertikale Theilung 
wird durch flaehgesehnitzte eingeblendete Säulen, Pilaster oder 
Hennen bewirkt. Ihre Fort- 
setzung und Verbindung erhal-   "f äl  Ääßß [l   lfl 
ten die einzelnen Systeme durch i,  n    
die pilasterartige Eintheilung der          
breiten Friese, welche die Fen-  i.    i 
sterbrüstungen bedecken. An      
diesen entfaltet sich in" ügür-   
liehen Reliefs der unersehöpf-       f 
liche Reichthum dieser Schule. '        
Antike Mythologie undGeschich- Ü     ,   
te, altes und neues Testament, h.   
Allegorie und Parabel schütten   E;     s, 
hier ihren reichen Inhalt aus.        
Verbindet man damit die zahl-     I!  
reichen meist sententiösen In-  j  
sehriften, so erhält man einen 1'   A  
Blick in die Anschauungen jener     
Zeit, der wohl einmal vom f  ' 
Standpunkt der Kulturgeschichtc  ,     .5 
ausführlichere Darstellung ver-    
diente. Um die zierliche An-    
muth des Ganzen zu vollenden,    
sind alle Hauptlinien durch die      
feinen Glieder antiker Kunst, "  "i?  l 
durch Zahnsehnitte, Consolen, Fig. 23a. Detail von einem Hause zu 
Perlschnur und Eierstab belebt. mmesheim' 
Eine wahrhaft classische An- 
muth ist über diese Werke ausgegossen, die den Mangel eines 
constructiven Grundprinzips der Ornamentik übersehen lässt, und 
selbst mit dem häufig hervortretenden Ungeschick im Figürliehen 
aussöhnt. Bei alledem kann man keinen Augenblick vergessen, 
dass diese unermesslich reiehe Schnitzkunst, die in der ganzen 
Bevölkerung eine allgemein verbreitete Lust an heiterem Schmuck 
des Lebens voraussetzen lässt, hier durchaus in den Dienst eines 
malerischen Prinzips getreten ist, welches in dem bescheidenen 
Relief dieser Flächendekoration sein Gesetz offenbart. 
Ich beginne mit dem Musterbeispiel dieses Stiles, dem Wede-
        

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