Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319229
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
letztere noch völlig im Charakter des Mittelalters. Auch die Fenster 
zeigen gothische Details, die Consolen kräftige Köpfe, die Schwel- 
len gemalte Ornamente. Ueberwiegend mittelalterlich mit spar- 
lichen Elementen der Renaissance ist auch das Haus zum Gol- 
denen Engel in der Kreuzstrasse, vom Jahre 1548, ausgezeichnet 
durch doppelte Erker, zwischen welchen der mittlere Giebel domi- 
nirend emporsteigt. Dieser Mischstil erhält sich hier ungewöhn- 
lich lange, so an einem Hause von 1557 in der Almstrasse 32, 
wo die Schwellbalken den gothischen Vorhangbogen zeigen und 
an den Brüstungen ein feines Facherornament auftritt. Dasselbe 
wiederholt sich, wahrscheinlich von gleicher Hand ausgeführt, 
Schelenstrasse 286. Ebenso daselbst N0. 280 vom Jahre 1560, 
WO jedoch im oberen Stock _der bekannte um einen Stab ge- 
wundene gothische Laubfries vorkommt. Ueberwiegend mittel- 
alterlich ist sogar noch ein Haus im Kurzen Hagen vom Jahre 
1564. Hier findet sich auch an den Consolen ein oft vorkom- 
mendes sehr einfaches Ornament, aus mehrfach wiederholten ein- 
gekerbten Dreiecken bestehend. Dasselbe auch an einem grossen 
Hause der Jacobistrasse. Ueberwiegend gothisch ist selbst noch 
ein kleines Haus der Eckemäkerstrasse vom Jahre 1566. Da- 
gegen kommt in der Schelenstrasse No. 312 die völlig ausge- 
bildete Renaissance mit dem Datum 1563 in den kräftigen Voluten 
der Consolen, den Pilastersysternen der Wände, den figürlichen 
Reliefs des Erkers zur Herrschaft. 
Mit den Achtziger Jahren, vielleicht auch schon etwas früher 
tritt nun der ausgebildete Stil der Spätrenaissance auf, der dann 
bis tief in's 17. Jahrhundert hinein die bürgerliche Baukunst aus- 
schliesslich beherrscht. Die Fagaden dieser Art sind noch jetzt 
so zahlreich vorhanden, dass sie im Wesentlichen den architek- 
tonischen Eindruck der Stadt bestimmen. Was zunächst ihre 
Composition betrifft, so kommt für dieselbe die ausserst häufige 
Verwendung des Erkers wesentlich in Betracht. Fast jedes Haus 
hat wenigstens einen derartigen Ausbau, der oft schon vom Erd- 
geschoss, bisweilen mit dem ersten Stock beginnt, die ganze Höhe 
der Fagade einnimmt und mit selbständigem Giebel abschliesst. 
Am schönsten ist aber die Gruppirung da, wo zwei Erker in 
symmetrischer Anlage die Facade einfassen. Durch ihre Giebel- 
schlüsse, zwischen welchen dann der Hauptgiebel höher empor- 
stcigt, wird eine rhythmische Bewegung und eine pyramidale 
Gipfelung erreicht, welche diesen Faeaden (vergl. Fig. 239) einen 
hohen architektonischen Werth verleiht. 
In der Gliederung und Ausschmückung herrscht völlig das 
Gesetz der Renaissance und zwar die Nachbildung des Stein-
        

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