Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319207
886 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland 
Wie Halberstadt ist auch Hildesheim durch doppelte Be- 
deutung a.ls uralter Bischofssitz und als Mittelpunkt eines reg- 
samen, energisch emporstrebenden bürgerlichen Gemeinwesens 
ausgezeichnet. Ja noch weit nachdrücklicher als dort hat sich 
hier schon im frühen Mittelalter die kirchliche Macht in gross- 
artigen Denkmälern ausgesprochen. Der Dom, die Kirchen von 
S. Michael und Godehard, zu welchen noch die kleine auf einem 
Hügel vor der Stadt gelegene Moritzkirche sich gesellt, gehören 
zu den ansehnlichsten Bauten des romanischen Stiles. Aber im 
Schatten der bischöflichen Gewalt blühte ein kraftvolles Bürger- 
thum empor, bald in Kämpfen mit den geistlichen Oberherren 
seinen Freiheitsdrang bethätigend, durch Handel und Gewerbe 
immer unabhängiger, als Mitglied der Hansa geachtet und gefürch- 
.tet, endlich beim Eintritt in die neue Zeit durch rasches Hinneigen 
zur Reformation sich auch zu kirchlicher Freiheit erhebend. 
Von diesem Bürgerthum zeugen in erster Linie die Denk- 
mäler, welche unsre Betrachtung aufzusuchen hatß) Es ist vor 
Allem der altsächsische Holzbau, der auch hier fast ausschliesslich 
den Privatbau beherrscht. Aber er entwickelt sich in ganz 
selbständiger Weise. Die mittelalterliche Form kommt nur ver- 
einzelt vor; häufiger sind schon die Werke, in welchen die Re- 
naissance ihren Einfluss bethätigt; allein die grosse Mehrzahl der 
Monumente gehört doch erst der letzten Epoche des Stils, zeigt 
eine völlige Umbildung des Holzbaues im Sinn der Steinarchitek- 
tur und verbindet damit eine Pracht und Fülle freier iigürlicher 
Ornamentik, die den Hildesheimer Bauten ihr hocheigenthümliches 
Gepräge giebt. 
Um mit den nicht eben zahlreichen Bauten aus der Schluss- 
epoche des Mittelalters zu beginnen, so lassen sie die auch anders- 
wo beobachteten Grundzüge ziemlich übereinstimmend erkennen: 
kräftiges Betonen des constructiven Gerüstes, energisches Hand- 
haben einer plastischen Gliederbildung, gelegentliches Herbeiziehen 
figürlichen Schmuckes. So ein kleines Haus in der Eckemäker- 
strasse, mit hübschen Heiligenstatuetten an, den Balkenköpfen, die 
Flächen der Schwellen mit aufgemaltem gothischen Laubwerk. 
Aehnlich zwei alterthümliche Häuser bei der Andreaskirche, die 
in verwandter Weise behandelt sind. 
Aber schon 1529 tritt in diesen Formenkreis des Mittelalters 
die Renaissance an demjenigen Gebäude, welches unter allen 
 Von den Hildesheimer Bauten liegen treifliche grosse Photographieen 
von G. Koppmann (Verlag von Gebr. Gerstenberg in H.) vor, nach wel- 
chen unsere Abb. gezeichnet sind.
        

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