Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319166
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III. Buch. 
Deutschland. 
Renaissance in 
lich neben dem Dom gelegene Haus, dessen Blendarkaden theils 
mit Wappen, theils mit schön stilisirten Ranken geschmückt sind. 
Mit einfacherer Behandlung der Arkaden, aber trefflich geglieder- 
ten Schwellen ein Haus von 1584 in der Schmiedestrasse N0. 17, 
durch die- consequente zwar einfache aber feine Behandlung bis 
hoch in den aufgesetzten Dachgiebel anziehend. Es trägt die 
Inschrift: „Mannicher sorget vor mich; wäre besser er sorget vor 
sich." Ein kleineres von derselben Art Harsleberstrasse N0. 9, 
vom Jahr 1604, ebenfalls mit hübschem Dacherker und der In- 
schritt: „Wie es Gott fügt, also mir genügt." Etwas früher (1589) 
das grosse Haus in derselben Strasse N0. 6, kräftiger dekorirt, 
mit mancherlei geometrischen Mustern und einem Erker auf hübsch 
behandelter Holzstütze. Aehnlich ebenda N0. 10 vom Jahr 1618. 
Neben dem hier so sehr beliebten Motiv der Blendarkaden 
kommen dann auch immer noch Beispiele des Fächerornaments 
an den Fensterbrüstungen vor. So Hoheweg N0. 16 in besonders 
zierlicher Ausbildung, alles mit linearen Ornamenten durchsetzt, 
die Facher z. B. gefiedert. Aehnlich in derselben Strasse N0. 13 
an den Schwellen mit dem in Braunschweig beliebten Ornament 
der Flechtbander. Ein sehr hübsches Beispiel Göddenstrasse 13 
mit feinen Fächern und reich gegliederten Schwellen. Ebenso 
Harsleberstrasse 15, wo wieder geometrische Linienspiele zu 
reicher Verwendung gekommen sind. 
Der Steinbau ist nur an einigen öffentlichen Monumenten, 
und an keinem in hervorragender Weise zur Entwickelung ge- 
kommen. Das früheste Denkmal der Renaissance scheint der 
hübsche Erker an der Südseite des Rathhauses, bezeichnet 1545. 
Er ist dem noch strenggothischen Bau in einem malerischen 
Mischstil vorgesetzt, wie er denn auf einem reich durchschneiden- 
den mittelalterlichen Rippengewölbe ruht, aber mit Candelaber- 
säulchen der Frührenaissanee und hübsch gearbeiteten Wappen 
geziert ist. Auch das breite dreitheilige Fenster, welches neben 
ihm die Wand im Hauptgeschoss durchbricht, hat die spielenden 
Rahmenpilaster der Frühzeit mit den eingelassenen Medaillen- 
schilden als Umrahmung. An der Rückseite des Baues (gegen 
Osten) sieht man einen Erker in ähnlichem Mischstil der frühen 
Renaissance. Dagegen wurde an der Hauptfront gegen Süden in 
der Schlussepoche eine doppelte Freitreppe mit otfner Bogenhalle 
auf Pfeilern vorgebaut, die im ersten Geschoss als selbständiger 
Erker oder Laube sich fortsetzt und mit einem reich behandelten 
Giebel schliesst. Die reiche ornamentale Belebung aller Flächen 
an Brüstungen, Pfeilern, Stylobaten, Bogenzwickeln und Fenster- 
rahmen macht von fern den Eindruck der Frührenaissance, aber
        

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