Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319156
K31) 
XVI. 
Niedersachsen. 
881 
vorspringenden Geschossen mit ihren dreimal wiederkehrenden 
effektvoll geschnitzten Balkenköpfen, die durch zahlreiche Heiligen- 
ügürchen consolenartig ausgebildet sind. Auch gothische Mass- 
werke, Thierfriese und dgl. kommen vor. Es ist eins der reichsten 
Beispiele seiner Art. Von ähnlicher Behandlung das grossartige 
Eckhaus am Fischmarkt N0. 1, in vier Geschossen mit herrlichen 
Friesen geschmückt; die Schwellen mit dem Mäandermotiv, das 
wir schon in Braunschweig fanden; die Balkenköpfe stark unter- 
schnitten und gekehlt, zugleich mit Masswerken dekorirt; die Ecke 
bis oben hinauf durch zahheiche Figuren kraftvoll geschmückt. 
Ueberhaupt herrscht hier an den mittelalterlichen Bauten das 
figürliche Element in reicher Ausbildung; so bei den Häusern am 
Fischmarkt N0. 11 und 12, N0. 10 von 1520, N0. 9 von 1529, 
N0. 8 von 1519. 
Den Uebergang zur Renaissance bezeichnet ein Haus vom 
Jahr 1532 am Holzmarkt N0. 4; die Schwellen doppelt gekehlt, 
die Balkenköpfe kräftig mit Rundstab und Hohlkehle gegliedert. 
Ebendort N0. 5 dasselbe Motiv, aber alles zierlicher, feiner, schon 
mehr im Sinne des neuen Stils durchgebildet, mit flachen Rosetten 
u. dgl; an den Fensterbrüstungen das Fächerornament. Es ist 
eins der seltenen Giebelhäuser, datirt 1552. Aehnliche Hauser 
Breiteweg N0. 39 vom Jahr 1558 und ebenda N0. 38 von 1559. 
Das Motiv der Blendarkaden unter den Fenstern tritt sodann an 
dem stattlichen Haus Ecke der Schmiedestrasse und des Holz- 
marktes vom Jahr 1576 auf; feine Zahnschnittfriese begleiten die 
Gesimse. Ein auf einer Holzsäule ruhender Erker, das Dach 
durchbrechend und bis zur Firsthöhe desselben emporgeführt, be- 
lebt malerisch die Facade. Dasselbe Motiv findet seine glanz- 
vollste Ausbildung an dem grossen Prachtbau des Schuhhofes, 
jetzt die drei Hauser am Breitenweg, Ecke der Schuhstrasse bildend, 
vom Jahr 1579. Die vielfach gekerbten, gerieften und gemusterten 
Schwellbalken, die mit Figürchen und Ornamenten geschmückten 
Balkenköpfe sammt ihren consolenartigen Stützen, die mit ge- 
schnitzten Wappen ausgefüllten Blendarkaden, (im oberen Geschoss 
einfacher behandelt), endlich die feine Ornamentik, welche die 
Pilaster, die Fensterrahmen, die Eckpfosten, kurz alle Flächen 
belebt, geben diesem Bau einen unübertroffenen Ausdruck von 
Eleganz (Fig. 237). Nur die nackten Ziegelilächen, ursprünglich 
zum Theil allerdings durch drei vorgebaute Erker etwas unter- 
brochen, wirken störend. 
Ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so reiches Beispiel 
bietet ein Haus in der Göddenstrasse von 1586 mit einem hüb- 
schen Erker. Ferner eins der schöneren und reicheren das süd- 
Kugler, Gesch. d. Baukunst V. 56
        

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