Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319134
Kap. XVI. 
Niedersachsen. 
879 
gekuppelte Fenster und sparsam ausgetheilte Säulenstellungen 
mit feinem künstlerischem Takt rhythmisch belebt. Im Erdgeschoss 
ist auf Pfeilern mit gedrückten Korbbögen eine Halle vorgelegt, 
die mit gothischen Kreuzgewölben auf zierlichen Renaissance- 
consolen eingedeckt ist. Dieselbe Bogenform kehrt an der kleinen 
Loggia des ersten Stocks und an den mittleren Fensterötfnungen 
der übrigen Stockwerke wieder. Gothische Reminiscenzen finden 
sich an der Masswerkbrüstung der Loggia und den Einfassungen 
der Fenster, zu welchen in den oberen Geschossen jedoch noch 
die hier beliebten Eierstabe kommen. Das Ganze ist trefflich in 
Sandstein ausgeführt und durch reiche Vergoldung ausgezeichnet. 
Die klare Eintheilung, die volle Meisterschaft in Anwendung der 
antiken Formen, die massvolle Beimischung barocker Elemente, 
endlich die hohe Sicherheit in der Behandlung des Ornamentalen 
und Figürlichen geben dieser Facade einen hervorragenden 
Werthi). An der westlichen Faeade hat man sich begnügt, den 
Giebel mit Voluten zu schmücken und die Rahmen der Fenster 
Imd der Giebelkanten mit Quader-Werk in Sternmustern einfach 
und wirksam zu gestalten. 
Ein schönes Stück innerer Dekoration ist sodann noch in 
dem Sitzungssaal des Neustädtischen Rathhauses erhalten. Ein 
reich dekorirter und bemalter Kamin vom J. 1571, von kanneliiten 
ionischen Säulen eingefasst, dazu eine prächtige Balkendecke, rings 
an den Wänden tretfliches Getafel, an allen Flachen der Pilaster, 
Friese und Bogenzwiekel mit eingelegten Ornamenten auf dunklem 
Grunde bedeckt. 
Der alte Bischofssitz Halb erstadt, in anmuthiger Landschaft 
an den nördlichen Ausläufern des Harzes gelegen, zeigt nicht 
blos in bedeutenden kirchlichen Bauten, unter denen der gothische 
Dom zu den Monumenten ersten Ranges gehört, die Macht eines 
geistlichen Fürstenthurns des Mittelalters, sondern bietet daneben 
auch in zahlreichen Profanwerken das Bild eines rüstig bewegten 
kunstliebenden Bürgerthums. In dem breiten Zug der Strassen, 
den zahheichen freien Plätzen, die sich theils um den Mittelpunkt 
bürgerlicher Macht, theils um die grossen kirchlichen Monumente 
ausdehnen, spricht sich der Doppelcharakter der Stadt unverkenn- 
bar aus. 
Wir haben es bei unsrer Betrachtung nur mit Werken der 
Profanarchitektur zu thun, und zwar steht der Holzbau unbedingt 
dieser 
Archit. 
Rosengarten, 
Fagade in 
Stilarten.
        

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