Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319069
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Ueberaus gross ist die Anzahl der oben charakterisirten Bauten 
der ersten Epoche. Sie sind meistens datirt und umfassen die 
letzten Decennien des 15. und die ersten des 16. Jahrhunderts. 
Eins der frühesten dieser Häuser ist das kleine in der Poststrasse 
No. 10 gelegene vom Jahre 1467. Vom Jahre 1489 datirt ein ähn- 
liches am Südklint N0. 17, oben mit hübschen Heiligenfiguren an 
den Balkenköpfen. Ein anderes am Altstädter Markt N0. 3 trägt 
die Jahrzahl 1470. Aus demselben Jahre eins der reichsten Häuser 
Scharrnstrasse No. 13, aufs üppigste mit Figuren von Heiligen, 
sowie phantastischen und genrehaften Bildwerken decorirt. In den 
rund abgefasten tauförmig gedrehten Schwellbalken, einer sehr 
häufig vorkommenden Form, darf man wohl ein noch aus roma- 
nischer Zeit nachwirkendes Motiv erkennen. Eine ganze Gruppe 
ähnlicher Häuser sieht man am Kohlmarkt, N0. 11 z. B. ein statt- 
liches vom Jahre 1491. Ein etwas reicher dekorirtes Schuhstrasse 
No. 20, ein anderes mit besonders reichgeschnitzten Kopfbändern 
Kleine Burg No. 13. Ebenda No. 15 eine langgestreckte kräftig 
behandelte Facade von 1488. Trefflieh geschnitzte gothische Laub- 
friese Wendenstrasse 13 und ebendort No. 1 vom Jahre 1529, ferner 
No. 69 vom Jahre 1533. Das Mäandcrornament findet man ebendort 
No. 2 vom Jahre 1491, verbunden mit reich proiilirten Balken- 
köpfen. (Das steinerne Portal vom Ende des 16. Jahrhunderts.) 
Dasselbe Ornament ebenda No. 6 an einem stattlichen Haus von 
1512, an den Kopfbändern die Madonna und andere Heilige ge- 
schnitzt. Das kräftig behandelte steinerne Portal ist wieder ein 
späterer Zusatz. Im Innern ist die alte Einrichtung des riesig hohen 
Hansflurs mit seiner Balkendeeke und Holztreppe bemerkens- 
werth.  
Reich und hübsch sieht man den gothischen Laubfries an einem 
kleinen originellen Hause Hagenbrücke No. 12, dasselbe Orna- 
ment ist aber auch an der Brüstungswand unter den Fenstern 
des ersten Stocks ausgebreitet. Ein schönes Beispiel desselben 
Frieses Schützenstrasse No. 9 im zweiten Stockwerk, dagegen 
im ersten ein reicher Figurenfries, allerlei Genrehaftes, Derb- 
komisches, Thierfabeln etc. enthaltend. In derselben Strasse No. 2 
zeigt ein stattliches Haus von 1490 das Mäandermotiv, dabei stark 
unterschnittene und ausgekehlte Balkenköpfe. Auch hier ein derbes 
Steinportal der Spätrenaissance, reich mit Karyatiden und Atlanten 
eingefasst, aber von mittelmässiger Ausführung. 
Noch ganz mittelalterlich ist das kolossale Eckhaus vom Jahre 
1524 am Wollmarkt N0. 1, derb in den Formen, fast roh geschnitten, 
mit wenig Detail, aber mit kräftig ausgekehlten Schwellen und 
von imposanter Wirkung. Nicht minder machtvoll das grosge
        

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