Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1319045
870 
III. 
Buch. 
Renaissance iin Deutschland. 
proülirt, fein gegliedert und mit figürlichem Ornament und Reliefs 
bedeckt. Das prächtige Eisengitter mit schön ornamentirten messin- 
genen Einsatzfeldern und Wappen haltenden Engeln ist von 1584. 
Ein herrliches Eisengitter mit vergoldeten Rosetten und frei be- 
handelten Blumen findet sich auch an der Treppe zur Fürsten- 
gruft. Reich und prächtig in kraftvollem Barockstil ist die Orgel 
geschnitzt. Ebenso die Orgelempore, die auf Bögen mit skulptirten 
Quadern ruht. 
Im Gegensatz zu der reichen Pracht dieser Kirche ist es auf- 
fallend wie unbedeutend, ja armselig das herzogliche Schloss 
ausgeführt ist. Nur etwa der stattliche Thurm von 1643 mit 
hübschen aufgesetzten Giebeln und prächtigem Eisengeländer an 
der Galerie ist zu bemerken. Gleich daneben das Zeughaus, 
jetzt Kaserne, vom Jahre 1619, ein stattlicher Bau, 220 Fuss lang 
bei 70 F. Breite, mit reich geschmückten Giebeln und einem tüchtig 
behandelten Portal im Stil der Marienkirche. 
Ein gutes Portal derselben Spätzeit besitzt sodann noch die 
alte Apotheke am Markt. 
Die Städte. 
Unter den Städten dieses Gebietes nimmt an Bedeutung und 
Macht Braunschweig die erste Stelle ein. Aus einem Fürsten- 
sitze des frühen Mittelalters hervorgegangen, schon durch Heinrich 
den Löwen zu ansehnlicher Stellung erhoben, schwang die Stadt 
sich früh durch "Fhätigkeit und Umsicht ihrer Bürger zu einem 
Gemeinwesen von selbständiger Kraft empor. In regem Handels- 
verkehr nach allen Seiten gewann sie durch den Beitritt zur 
Hansa zunehmende Bltithe und erwarb den Ehrenplatz einer Quartier- 
stadt des Bundes. In ihren wiederholten Kämpfen um völlige 
Unabhängigkeit mit den Landesfürsten, in dem frühen Uebertritt 
zur Reformation (1528), in ihrem mannhaften Festhalten am 
Schmalkaldischen Bunde bekundete sie ihren tüchtigen Sinn. Als 
Zeugnisse einer durch Jahrhunderte andauernden stets gesteigerten 
Blüthe weist sie eine Anzahl hervorragender Denkmäler aus allen 
Epochen des Mittelalters auf, grossartige kirchliche Bauten der 
romanischen und gothischcn Epoche und eins der schönsten Rath- 
hauser des Mittelalters. Schon im 15. Jahrhundert fällt die 
monumentale Pracht und Grossartigkeit der Stadt einem Kenner 
wie Aeneas Sylvius aufl). In unverkümmerter Frische nimmt 
1) Aen. Sylv. Piccol. opp. Basil. 1571. p. 424: „oppidum tota, Germania 
memorabile magnum et populosum.     magniücae domus, perpolitae 
plateae, ampla. et ornatissima templa. Quinque hie fora.    
        

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