Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318980
864 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
vention erbauet." 1) Bis 1613 War der Chor vollendet, bis 1616 
die Sakristei aufgeführt, bis 1623 arbeitete man am Kirchendach, 
nachdem seit 1619 die ersten Giebel an der Nordseite aufgerich- 
tet worden waren. Zugleich wurde die grosse Orgel erbaut und 
1621 die Kanzel aufgestellt, ein Werk des Bildhauers Georg Fritzsch 
aus Quedlinburg. Der Hauptaltar ward 1623 durch den Bild- 
schnitzer Burckhard Diedrich aus Freiberg vollendet. Während 
der Wirren des dreissigjährigen Krieges erlitt der Bau eine Unter- 
brechung, so dass erst unter Herzog August dem Jüngeren von 
1656 bis 1660 die letzten Giebel an der Südseite aufgerichtet 
wurden. Die jetzige Thurmspitze, ein hässliches Werk von abscheu- 
lichen Verhältnissen und Formen, datirt von 1750. 
Der Bau ist ein vollständiges Compromiss zwischen Mittel- 
alter und Renaissance: gothisch in Grundriss, Aufbau und Con- 
struktion, in der Anlage der Pfeiler, Gewölbe und Fenster, wäh- 
rend die künstlerische Ausbildung des Einzelnen mit der ge- 
sammten Ornamentik dem neuen Stil angehört. Und zwar tritt 
derselbe in der üppigen, schon stark barocken Umbildung der 
Schlussepoche auf. Die Planform zeigt eine dreischiffige Hallen- 
kirche von breiter Anlage, das 36 Fuss weite Mittelschiff durch 
6 achteckige Pfeiler von den 22 Fuss breiten Seitenschiffen ge- 
trennt, östlich ein QuerschiH von 100 Fuss Länge, dann ein kurz 
vorgelegter aus dem Achteck geschlossener Chor, am Westende 
ein viereckiger Thurm in's Mittelschiff eingebaut, die gesammtc 
innere Lange 215 Fuss im Lichten.  
Am frappantesten wirkt das Aeussere. Der seltsame Misch- 
stil erreicht hier eine Pracht der Ausführung, eine Energie der 
Behandlung, welche dem Werke den Stempel der Meisterschaft 
aufprägen. An das hohe Dach des Mittelschiifs stossen im rech- 
ten Winkel die fünf Querdächer jedes Seitenschiifs und das 
höhere und breitere Dach der Kreuzarme. Diese alle mit ihren 
hohen reich dekorirten Giebeln, welche sich über dem kräftigen 
durchlaufenden Hauptgesimse erheben, den Bau zu malerischer 
Wirkung abschliessend. Die bunte Phantastik dieser Giebel, 
ihre reiche Belebung durch ionische und korinthische Säulen- 
stellungen mit Gebälken und eingerahmten Nischen, die bunte 
Silhouette mit ihren phantastisch geschweiften Hörnern und Vo- 
luten, die völlige Belebung der Flächen durch Fruchtschnüre, 
Blumengewinde, Masken und andern figürlichen Schmuck stehen 
in ihrer barocken Pracht unübertroffen da. Kraftvoll ist auch 
die Architektur der unteren Theile. Die Wandflächen sind an 
Inschrift 
auf 
dem Grabstein , 
im südl. 
Seitensch. 
der Kirche.
        

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