Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318833
Kap. XVI. 
Niedersachsen. 
849 
ausbauten, die Fenster mit dem schrägen Rahmenprofil und den 
eingelassenen Medaillons der Renaissance bezeugen, dass wir es 
hier mit einem Theil jener Bauten zu thun haben, welche durch 
Herzog Ernst den Bekenner errichtet wurden. 
Das Schloss selbst enthält in seinem östlichen Flügel die 
ältesten Theile. Ueber einem unbedeutenden Erdgeschoss erheben 
sich zwei hohe Stockwerke mit unregelmässig vertheilten Fenstern, 
überragt von einem Dachgeschoss mit sieben Erkern, deren ein- 
fach behandelte halbrund abgestufte Giebel den Eindruck der 
langgestreckten Facade malerisch beleben. Die ganze Architektur 
ist einfach und trägt in den Rahmenprofilen der Fenster das Ge- 
präge der Frührenaissance. Ungefähr in der Mitte der Facade 
ist ein runder, oben in's Polygon übergehender und mit halb- 
runden Giebeln abgeschlossener Treppenthurm vorgebaut. Hinter 
ihm erhebt sich, wiederum unregelmässig angebracht, ein bedeu- 
tend höherer Dacherker, gleich den übrigen abgetreppt und mit 
halbrunden Abschlüssen versehen. Auf beiden Enden wird dieser 
Hauptfiügel durch mächtige polygone Thurmbauten eingefasst, 
der rechts befindliche nördliche in der Barockzeit umgestaltet 
und mit einem Zeltdach versehen, der südliche, welcher den Chor 
der Kapelle enthält, noch in ursprünglicher, den übrigen Theilen 
der Facade entsprechender Architektur; an den halbrunden Giebeln 
des Kuppeldaches mit hübsch gearbeiteten fürstlichen Bildnissen 
in Medaillons geschmückt. Zwei stattliche Bogenportale dicht 
neben diesen Thürmen führen inls Innere. Sie gehören trotz der 
Imitation früherer Renaissanceformen in ihrer jetzigen Gestalt 
den später hinzugefügten Theilen an. Gleich den Einfassungen 
der Fenster sind sie in Sandstein ausgeführt, während alles 
Uebrige einfacher Putzbau ist. 
Der grosse Schlosshof zeigt nur im östlichen Flügel Spuren 
der ursprünglichen Architektur, namentlich an den beiden Seiten- 
poitalen, obwohl man auch hier spätere Umgestaltungen erkennt. 
Ein Vorbau, ursprünglich im ersten Stock als offener Säulengang 
ausgebildet, jetzt aber geschlossen, zieht sich vor ihm hin. In 
der Mitte tritt ein grosser polygoner Treppenthurm vor, der eben- 
falls spätere Umgestaltung verräth. Die drei anderen Flügel 
sind unter Georg Wilhelm in der zweiten Hälfte des 17. Jahr- 
liunderts in einfach derben Barockformen errichtet worden. In 
jedem Flügel befindet sich ein Doppelportal, ebenfalls von schlich- 
ter Anlage, nur das im Westliügel feiner ausgebildet. Auf den 
beiden äusseren Ecken dieses Flügels wurden in Ueberein- 
stiinmung mit der Facade zwei hohe polygone Pavillons mit 
thurmartigem Kuppeldach ausgebaut. (vgl. die Fig. 229.) 
Kugler, Gesch. d- Bauk. V. 54
        

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