Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318818
Kap. XVI. 
Niedersachsen. 
847 
struction zu Schöpfungen von hohem künstlerischen Werthe aus. 
Unvergleichlich ist noch jetzt die Wirkung dieser Städte mit ihren 
in ganzen Reihen erhaltenen Fachwerkhäusern, deren Facaden 
durch die vorgekragten Geschosse mit den reichen Schnitzereien 
und den kraftvollen Profilirungen einen so lebensvollen Eindruck 
gewähren. Wir können gerade hier die Geschichte dieser acht 
deutschen Bauweise verfolgen; wir werden sie aus den mittel- 
alterlichen Formgebungen sich stufenweise zu den reizvollen Bil- 
dungen der Renaissance entfalten sehen. Braunschweig mit 
seinen grossartigen, kraftvoll entwickelten, meist noch strengen 
Formen bezeichnet die erste Stufe. Auf die Höhe klassischer 
Vollendung hebt sich dieser Stil in den Bauten von Halberstadt. 
Zu üppiger Nachblüthe in verschwenderisch angewandter Bild- 
schnitzerei, nicht ohne deutliche Spuren eines Einflusses von 
Seiten des Steinbaues, bringt es zuletzt Hildesheim!) In zweiter 
Linie schliessen sich Städte wie Celle, Wernigerode, Goslar, Stol- 
berg und viele andre an. 
Gegenüber diesem charaktervollen Holzbau findet die Stein- 
architektur hauptsächlich in den Bauten der Fürsten, des Adels 
und der Geistlichkeit ihre Anwendung, von da aus dann auch 
mancherlei Aufnahme in bürgerlichen Kreisen, wie denn in Braun- 
schweig dieses Material sich neben dem des Holzes eindrängt, 
und in Hannover sogar die Oberhand gewinnt. Dieser Steinbau 
aber gehört fast ausnahmslos der letzten Epoche der Entwickelung 
und zeigt in seinen üppigen, aber derben Formen überwiegend 
den Einfluss der Niederlande und des norddeutschen Küstenge- 
bietes. Nur dass es reiner Hausteinbau ist, welchen die überall 
vorhandenen Sandsteinbrüche des Landes begünstigen. So schei- 
det sich denn unser Gebiet gegen die nördliche Gruppe der 
Backsteinbauten scharf ab. Schon oben (S .753) wurde bemerkt, 
dass die Gränze zwischen Lüneburg und Celle hinläuft. 
Celle. 
Beginnen wir mit den fürstlichen Bauten, so hat Celle den 
Anspruch an der Spitze der Betrachtung zu stehen. Das 
Schloss gilt gewöhnlich für einen spätgothischen von der Her- 
zogin Anna am Ende des 15. Jahrhunderts errichteten Bau, mit 
 Womit nicht gesagt sein soll, dass nicht in jeder dieser Städte auch 
einzelne Beispiele der anderen Entwickelungsstadien sich fänden. Ich 
zeichne hier zunächst nur den bis jetzt noch nirgends betonten Ge- 
sammtcharakter der Architektur jener Hauptorte.
        

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