Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318770
Kap- 
Obersachsen. 
843 
Blätter der Frühzeit. Die beiden Wappen des Fürstenthums und 
der Stadt schmücken die Attika, darüber ein zweiter Aufsatz mit 
dem Reichsadler und der Kaiserkrone, abgeschlossen von einem 
Giebel, in dessen Feld ein Imperatorenkopf. Die übrigen Portale 
sowie die Fenster des ansehnlichen Gebäudes zeigen die spät- 
gothische Form. 
Das Rathhaus hat 1610 und 1611 an der langen, dem 
Markt zugekehrten Facade vier stattliche Giebel mit Pilastern 
und derben Voluten erhalten, zugleich ein Portal in kräftigen 
Barockformen. Werthvoller sind die beiden hohen Backstein- 
giebel der Schmalseiten in reichen gothischen Formen vom Jahre 
1481. Im Innern enthält der grosse Vorsaal des oberen Stock- 
werks, zu welchem auch hier eine Wendeltreppe führt, an der 
einen Schmalseite eine spätgothische Holzvertäfelung, darin ein 
mittelmässiges Portal vom Jahre 1611.  
In der Nikolaikirche ist das Epitaphium Johanns II 
(T 1551) eine geringe Steinmetzen-Arbeit in unreifen Frührenais- 
sanceformen, ursprünglich völlig bemalt. Das Taufbecken, ein 
Broncewerk der Spätrenaissance, etwas stumpf im Guss, aber 
von ansprechender Oomposition, namentlich der Deckel reich 
mit Engelügürchen, Engelköpfen, Masken und Volutenwerk ge- 
schmückt.  
Unbedeutend ist der Privatbau; das beste ein noch gothisches 
Haus am Markt vom Ende des 15. Jahrhunderts, in kräftiger 
Holzschnitzerei mit Figürchen von Aposteln und andern Heiligen 
an den Holzconsolen. Hier wie in Dessau merkt man an dem 
Fachwerkbau die Nähe des Harzes mit seiner reichen Holzarchi- 
tektur.  Die Anhaltische Gruppe bildet daher den Uebergang zu 
Niedersachsen. Zwei Häuser am Markt zeigen den Holzbau in 
einfachen Renaissanceformen. Ein kleines Steinportal der üblichen 
Anordnung mit Seitennischen, am Markt No. 25, beweist in seiner 
Jahrzahl 1687 das lange Andauern traditioneller Gewohnheiten. 
Zwei prächtige Wasserspeier mit schönen schmiedeeisernen 
Stangen, ebenda No. 24, zeugen von der Tüchtigkeit des Kunst- 
gewerbes. 
Am dürftigsten ist die Ausbeute in Cöthen. Das Schloss, 
von weitem durch seine Kuppelthürme verlockend, zeigt sich in 
der Nähe als ein armseliger Putzbau, der in drei ausgedehnten 
Flügeln einen grossen Hof umgiebt. Der Eingang liegt in dem 
westlichen Hauptgebäude, von welchem nördlich und südlich die 
Seitenflügel rückwärts auslaufen, jeder mit einem polygonen 
Treppenthurm ausgestattet. Alles aber, sowie die stark zerstörten 
Portale ohne erhebliche Bedeutung. Die schönen Baumgruppen,
        

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