Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318680
834 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
profil. Vor die Mitte der Facade legt sich ein Thurm mit statt- 
lich breiter Spindeltreppe, die auf die Bogenhalle mündet. Der 
Vorsaal im Innern ist nicht gross, quadratisch; auf derber Mittel- 
säule, Welcher in den Wänden Halbsäulen entsprechen, ruhen die 
Balken der Decke. Die Kapitale sind fast romanisch, auch das 
Gebälk zeigt mittelalterliche Gliederung. An seinen Kopfbändern 
liest man: Hans Hacke 1609. Ein kleines Portal in Sandstein 
hat dürftige trockene Formen der späten Renaissance. Im Vor- 
saal des zweiten Stockes bietet die Mittelsäule das auifallendste 
Beispiel von gründlichem Missverständniss der Renaissanceformen 
in so später Zeit. 
In Eisleben ist mir in der Andreaskirche nur ein messinge- 
ner Kronleuchter aufgefallen, der zu den schönsten seiner Art 
gehört, n1it Weinranken, Trauben und kleinen Figürchen ge- 
schmückt. 
Ungleich günstiger und reicher gestaltet sich die Renaissance 
in den südlichen Ausläufern unseres Gebietes. Zu den interes- 
santesten Werken der Zeit gehört zunächst die Heldburg, ein 
auf mittelalterlicher Grundlage durch den unglücklichen Johann 
Friedrich den Mittleren seit 1558 ausgeführter Prachtbauß) Die 
Burg erhebt sich auf einem vier Wegstunden südlich von Hild- 
burghausen aufragenden kegelförmigen Basaltfelsen, der durch 
seine malerische Form und reiche Bewaldung schon von fern das 
Auge fesselt. Die alte Vestc ist ein ziemlich unregelmässiger Ge- 
bäudecomplex ebensowohl in Folge beengender Terrainverhält- 
nisse als ungleichzeitiger Erbauung. (vgl. Fig. 225.) 
An dem terrassenförmig vertretenden, auf dem Niveau des 
innern Schlosshofes gelegenen Ziergarten Q vorbei gelangt man bei 
A über die Zugbrücke durch ein stattliches Thor in den zwinger- 
artigen aussern Hof, und von da, immer steigend, einerseits an 
der Pferdeschwemme N, andrerseits an dem Brunnenhaus O mit 
dem bis zur Thalsohle reichenden, in den Basaltfelsen gehauenen 
Ziehbrunnen vorüber, durch die Einfahrt B in den innern Schloss- 
hof C. Auch von der entgegengesetzten Seite führt eine Einfahrt 
F bei der ehemaligen geräumigen Stallung G?) in den Hof. Von 
welcher Seite man auch eintritt, stets zieht der sogen. französische 
1) Das Folgende nach Notizen von L. Neher, dem ich auch die Auf- 
nahme des Erkers Fig. 226 und den unter Fig. 225 mitgetheilten alten 
Grundriss der Burg verdanke. Eine malerische Abbildung des Hofes brachte 
die Gartenlaube 1872 S. 133.  2) Dieselbe wurde in letzter Zeit als Ka- 
pelle benutzt.
        

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