Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318578
Kap. XV. 
Obersachsen. 
823 
Das Ganze durch eine Attika mit Rundfenster und Volutenornament 
gekrönt. 
In ähnlicher Weise ist auch der westliche Flügel geschmückt, 
namentlich ziehen hier viele steinerne Wappen das Auge auf 
sich. 
Die Südseite des Schlosshofes wird nun von der Domkirche 
mit ihren steilen Giebeln und Thürmen eingenommen, und so bil- 
det dieser Hof ein Ganzes von grandiosen Dimensionen und un- 
gemein malerischer Wirkung. Denkt man sich dazu die ehemalige 
Bemalung (von welcher zahlreiche Spuren namentlich am Nord- 
ilügel über den Fenstern etc. zeugen), so muss dieser Hof ehedem 
einen prachtvollen Eindruck gemacht haben. 
Gegenwärtig zeigt das Mauerwerk überall grosse Einfachheit. 
Nur an den Portalen und den Erkern giebt sich die reiche Deko- 
rationsweise der Spätrenaissance mit ihren Metallornamenten zu 
erkennen. Diese Theile stammen offenbar vom Ausgange des 16.- 
oder Beginn des 17. Jahrhunderts. .Als Architekt nennt sich 
Simon Hofmann, vielleicht ein Sohn jenes in Halle thatigen Meisters. 
Das Hauptstück der Dekoration ist im Innern die prachtvolle, in 
einem polygonen 'l'reppenhaus angelegte Wendelstiege, ähnlich 
der schönen Treppe in Göppingen an der Unterseite völlig mit 
Ranken, Masken, Wappen und allerlei Figürlichem in fein be- 
handelten Reliefs bedeckt. Das Treppenhaus schliesst mit ele- 
gantem Sterngewölbe in spättgothischen Formen, daran die Inschrift: 
Herr Johann von Kostitz Domprobst. Eine zweite Treppe, kaum 
minder reich geschmückt, ist an der Unterseite völlig mit Orna- 
menten in dem bekannten Charakter von Metallbeschlagen bedeckt. 
Zu erwähnen ist noch der originelle, dreiseitige Ziehbrunnen. 
Auf kräftiger Brüstung öffnet sich nach drei Seiten je ein Bogen, 
von dorischen Säulen mit reichgeschmücktem verkröpftem Gebälk 
umrahmt; drei Bügel, feurige bewegte Seepferde tragend, wölben 
sich darüber zusammen; den gemeinschaftlichen Schlussstein 
krönt ein Neptun mit dem Dreizack. Zwischen den Seepferden 
über den Bogenaxen ist je ein Wappen mit reicher Umrahmung. 
Bei barockem Detail hat das Ganze eine ungemein lebendige Sil- 
houette und trägt den Stempel einer üppigen phantasievollen 
Epoche. (Abgeb. in den Studienbl. des Arch. Ver. am Polyt. in 
Stuttgart.) 
Im Dom bezeichnet die Kanzel (e. 1526), ein im Wesent- 
lichen spatgothisches Werk, reich mit Reliefs in Holz" geschnitzt, 
in einzelnen Renaissance-Elementen den Eintritt des neuen Stils,
        

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