Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318516
Käp- 
Obersaehsen. 
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kristei, fabelhaft reich dekorirt, mit zwei ganz in Bildwerk auf- 
gelösten Säulen eingefasst. Auch das kleine südliche Portal der 
Kirche zeigt dieselbe spielende Eleganz. Endlich gehören in die- 
selbe Zeit die Apostelstatuen an den Pfeilern des Schiffes, höchst 
bedeutende Gestalten im grossartigsten Stil Dürefscher Kunst, 
machtvoll in der Ausprägung der Charaktere, die Gewänder in 
dem knittrigen Stil, der damals namentlich in Nürnberg herrschte!) 
Die reichen Baldachine, unter welchen sie stehen, sind im 
Wesentlichen noch gothisch und nehmen kleine Consolen auf, 
welche Statuetten von Propheten tragen. Hier mischen sich 
Formen der Renaissance ein, namentlich aber sind die grossen 
Consolen der Hauptfiguren in elegantester Weise mit Voluten 
und Ornamenten des neuen Stils dekorirt. Von dem Baue Albrechts 
stammen endlich die Halbrundgiebel, welche die Kirche an der 
Aussenseite bekrönen und ihr ein so seltsames Gepräge geben. 
Hoch auf ziemlich steilem Ufer über der Saale aufragend, sieht 
der Dom mehr einem weltlichen als einem kirchlichen Gebäude 
gleich. Die beiden Thürme, welche Albrecht an der Westseite 
hinzufügte, waren in der Hast so unsolide ausgeführt, dass man 
sie 1541 abtragen musste?) Bald darauf (1529) führte der bau- 
lustige Fürst die Alte Residenz neben dem Dome auf, die 
freilich, jetzt arg verbaut und entstellt, wenig von ihrem ursprüng- 
lichen Glanze bewahrt hat; Man sieht zwei grosse Bogenportale, 
jedes mit einem kleineren Pförtchen zur Seite, in einfachen 
Frührenaissanceformen. Die Rahmen der Pilaster und Bögen 
haben eingelassene Schilde, die an dem einen Portal ungeschickter 
Weise sogar über die Umfassung hinausgreifen. Der weite, 
unregelmässige Schlosshof muss ehemals einen bedeutenden Ein- 
druck gemacht haben. Im Erdgeschoss sind noch Theile des 
Säulenganges erhalten, welcher mit weitgespannten gedrückten 
Bögen von 16 F. Axe das Ergeschoss umzog. Die stark geschwell- 
ten Säulen haben schlichte Frührenaissanceform. 
Völlig mittelalterlich dagegen ist die gewaltige Ruine der 
von Erzbischof Ernst (s. o.) erbauten Moritzburg, die am völlig 
gothisch behandelten Wappen 3) des Einganges die Jahrzahl 1517 
1) Der Eindruck dieser herrlichen Werke leidet empfindlich durch die 
abscheuliehe Zopfdecoration von Palmzweigen und Draperien über den 
Arkaden, welche die ganze Kirche verunstalten.  2) Von der ursprüng- 
lichen Pracht der Ausstattung dieser Kirche, die Albrecht mit Reliquien, 
Prachtgefassen, iiandrischen Teppichen und Kostbarkeiten jeder Art ver- 
schwenderisch begabte, giebt das Gedicht des Sabinus (abgedr. bei May, 
a. a. 0. Beil. XLVI) lebendige Anschauung.  3) Nicht in Renaissance- 
formen, wie man wohl behauptet hat. 
Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 52
        

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