Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318489
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
hunderts durch den immer ausgedehnteren Handel stetig zu; aber 
die stets wachsende, durch die sächsischen Fürsten geförderte 
Blüthe Leipzigs, mehr noch innere Streitigkeiten zwischen Patriciat 
und Volkspartei zerrütteten bald ihre Machtstellung, so dass Erz- 
bischof Ernst, im Bunde mit den Demokraten, sich 1478 der Stadt 
bemächtigen und durch Anlegung der gewaltigen Moritzburg 
(1484-1503) festen Fuss darin fassen konnteß) Noch entscheiden- 
der griff Erzbischof Albrecht von Brandenburg (1513-1545) in 
die Geschicke der Stadt ein. Dieser weltlich gesinnte, aber nach 
allen Seiten unternehmende und rücksichtslos vorgehende Kirchen- 
fürstfi) der seit 1514 die beiden mächtigen Erzbisthümer von 
Mainz und von Magdeburg besass, 1518 dazu die Kardinalswürde 
erhielt, säumte nicht, in umfassender Weise die inneren und äusse- 
ren Verhältnisse der Stadt umzugestalten. Ohne Pietät für das 
Althergebrachte, seinem Hange zur Pracht und zu glänzenden 
künstlerischen Unternehmungen nachgebend, riss er alte Kirchen 
ein, veränderte die Pfarrspreng-el, gründete neue Stiftungen, fügte 
ansehnliche Bauten hinzu und bürgerte den Stil der Renaissance 
in Halle ein, wie er ihn bei dem schönen Brunnen auf dem Markt- 
platz zu Mainz (oben S. 425) ebenfalls zur Geltung gebracht hatte. 
Seine erste bedeutende Unternehmung in Halle ist die Domkirche, 
Welche er mit Beibehaltung der mittelalterlichen Anlage seit 1520 
zum Collegiatstift umwandelte und glänzend ausstattete. Damit 
verband er einen neuen Palast zwischen den Gebäuden am Dom 
und dem 'Klausthor, die noch jetzt vorhandene Residenz (1529). 
Noch gewaltsamer riss er die beiden alten Kirchen am Markte 
nieder und erbaute seit 1529 die grossartige Marienkirche, noch 
ganz in gothischem Stil, aber mit reicher Renaissancedecoration 
des Innern. Schon vorher hatte er seinem Günstling Hans von 
Schönitz mehrere Kapellen am Markte geschenkt, um aus deren 
Steinen eine Reihe stattlicher Gebäude zu errichten. Die grandiose 
Anlage des Marktplatzes, der kaum einem anderen in Deutschland 
zu weichen braucht und den die gewaltigen zum Theil noch mittel- 
alterlichen Thürme sammt den imposanten Massen der Marienkirche 
überragen, ist Albrechts Werk. Noch verdienstlicher war es, dass 
er den Rath bewog, die verderbliche alte Sitte des Beerdigens in 
der Stadt aufzugeben und vor den Thoren jenen Friedhof anzu- 
legen, dessen grossartige Gestalt und künstlerische Ausstattung in 
1) Vgl. Dreyhaupt, Beschreib. des Saal-Creyses. 1755. 2 Bde. Fol., 
sowie C. H.'v0m Hagen, die Stadt Halle. I. Bd. 1867.  2) C. H. vom 
Hagen, I, 52 ü". Dazu J. H. Hennes, Albrecht von Brandenburg. Mainz 
1858 und J. May, Albrecht I von Mainz und Magdeburg. I. Bd. 1865.
        

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