Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318366
802 
III. Buch. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Das interessanteste und früheste Privathaus ist Hainstrasse 
N0. 33, welches wir in Fig. 217 mittheilen. Das Haus wurde 
1523 erbaut, und aus dieser Zeit stammt im Wesentlichen die 
Fagade mit den tief eingekehlten Fensterrahmen und dem hübschen 
Erker, dessen Auskragung ein gothisches Rippengewölbe zeigt, 
Während in der Brüstung des Fensters der neue Stil sich mit zier- 
lichen Balustersäulchen und Laubgewinden versucht. Auch die 
Säulehen, welche oben die kleine Loggia bilden und das ge- 
schweifte Dach aufnehmen, gehören dieser Zeit. Dagegen sind 
die derben Voluten des Giebels, dessen Absätze ursprünglich 
ohne Zweifel Pyramiden oder andere Aufsätze trugen, einer Restau- 
ration des 17. Jahrhunderts zuzuschreiben, während das pikant 
ausgebaute polygone Thürmchen, welches den Giebel abschliesst, 
der ursprünglichen Anlage gehört. Zahlreiche Inschriften sind in 
den Hohlkehlen der Gesimse und Fensterrahmen sowie an der 
oberen Brüstung des Erkers angebracht. 
Wie die ausgebildete Renaissance sich hier gestaltet, erkennt 
man an dem im Jahre 1556 von Iüeronynrus Letter erbauten Rath- 
hause. 1) Es ist ein ausgedehntes Rechtek, die östliche Langseite 
des Marktes begrenzend, überaus einfach in verputzten Backsteinen 
aufgeführt. An der südlichen Schmalseite ist ein kleiner Erker 
ausgebaut; ebenso an der Nordseite. Die nach Westen gewendete 
Hauptfront ist mit sieben unregelmassig angeordneten Giebeln 
bekrönt, die über dem mit Zahnschnitten ausgestatteten Haupt- 
gesimse aufsteigen. Derb und tüchtig behandelt, zeigen die Ein- 
fassungen der Voluten ein Rustikaquaderwerk (Fig. 218). Ein 
achteckiger nicht genau in der Mitte der Facade ausgebauter 
Thurm enthält das Hauptportal und die Wendeltreppe. Das Ganze 
ist von malerischer Wirkung, aber ohne höheren Kunstwerth. Eine 
im Jahre 1672 nothwendig gewordene Erneuerung hat sich mit 
Verständniss dem Charakter des Ganzen angeschlossen?) 
Die Fenster am ganzen Bau sind paarweise gruppirt, mit 
durchschneidenden Stäben in spätgothischer Form eingefasst, jedes 
schmückende Ornament ist vermieden, nur eine grosse Inschrift 
in römischen Majuskeln umzieht als Fries den ganzen Bau. Das 
Hauptportal, mit gekuppelten kannelirten ionischen Saulchen ein- 
gefasst, hat über sich auf kräftigen Consolen eine otfene Altanc 
als Abschluss des viereckigen Thurmgeschosses. Ueber dieser 
geht der Thurm in's Achteck über und ist mit einem geschweiften 
Dach geschlossen. Die östliche gegen den Naschmarkt gerichtete 
Facade entspricht in ihrer Behandlung der westlichen, nur dass 
Vogel's Leipz. 
Annalen S. 
202. 
2) Ebenda 
745.
        

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