Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318352
Kap 
Obersachsen. 
801 
Kräften auszubeuten und durch kaiserliche und fürstliche Privi- 
legien ihre Stellung immer mehr zu befestigen und weithin zur 
herrschenden zu machen. Zugleich aber war die seit 1409 be- 
stehende Universität eine tüchtige Pflegerin der wissenschaftlichen 
Bestrebungen, obwohl sie sich der Reformation anfangs hartnäckig 
widersetzte. Minder ergiebig war die Thätigkeit der immer 
kräftiger aufblühenden Stadt auf künstlerischem Gebiete. Es ist 
auffallend, wie wenig das ganze Mittelalter hier in architektonischen 
und plastischen Arbeiten geleistet hat. In der Malerei sind wenig- 
stens die neuerdings mit Sorgfalt wiederhergestellten Wandbilder 
des Pauliner-Kreuzganges ein umfangreiches Werk; allein an künst- 
lerisch hervorragenden Schöpfungen jener Epoche fehlt es durchaus. 
Unter den öffentlichen Bauten der Stadt nehmen die Werke 
des Mittelalters in der That nur geringe Bedeutung in Anspruch. 
Dagegen verleiht die Renaissance den älteren Theilen ihr charakter- 
volles Gepräge. Der Zug der Strassen mit den dicht gedrängten 
hochragenden Bürgerhäusern verräth die Wichtigkeit, welche da- 
mals schon Leipzig als Handelsstadt besass. Für die Anlage 
der Häuser ist die Rücksicht auf die Messen und den Handels- 
verkehr maassgebend gewesen. Das Erdgeschoss besteht immer 
aus grossen Gewölben, die sich mit weiten Bogenstellungen gegen 
die Strasse öffnen. Die Anordnung derselben ist jedoch überall 
modernisirt, wird aber denen in Frankfurt a. M. ungefähr ent- 
sprechend gewesen sein. Charakteristisch sind die weiten Höfe, 
manchmal zwei hinter einander, durch Hintergebäude getrennt, 
so dass die Anlage bis an die benachbarte Parallelstrasse reicht 
und wie in Wien Haustlur und Höfe sich zu öffentlichen Durch- 
gängen gestalten. In der Entwickelung der Facaden ist ein Ein- 
fluss von Dresden zu bemerken, doch herrscht hier durchweg 
grössere Einfachheit. Bemerkenswerth z. B. die beiden Portale 
in der Kleinen Fleischergasse No. 8 und 19, den bekannten Dres- 
dener Portalen entsprechend, aber weit hinter ihnen an Feinheit 
der Ausbildung zurückstehend. Der Sandstein ist überhaupt hier 
sparsamer verwendet,'die zierlicheren Formen, Gliederungen, 01-- 
namente fehlen fast durchweg. Dagegen ist die Oonception im 
Ganzen kräftig und gediegen, namentlich werden die Erker in 
ähnlicher Weise wie in Dresden verwendet, und geben den 
Strassen das lebensvolle und zugleich wohnliche Gepräge. Die 
reicheren unter diesen Erkern gehören freilich erst der späteren 
Zeit an und werden dann mit Vorliebe in Holz und zwar in 
reichem Schnitzwerk ausgeführt. Ein Prachtstück dieser Art z. B. 
Petersstrasse N0. 6, und eine überaus reiche Barockfacade im 
üppigsten Zwingerstil ebendort N0. 41. 
Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 51
        

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