Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318325
798 
B uch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Arbeit eines wohlmeinenden aber schlecht geschulten Steinmetzen. 
Der hohe Giebel ist mit Pilastern, Voluten, aufgesetzten Henkel- 
vasen effectvoll gegliedert. 
Um den Beginn des 17. Jahrhunderts erhebt sich die bürger- 
liche Architektur hier zu etwas reicheren und durchgebildeteren 
Formen. Häufig findet man kleine Portale mit zierlicher Bogen- 
gliederung nach Dresdner Muster. So in der Burgstrasse N0. 
108 vom Jahre 1605, ein sehr hübsches am Görnischen Platz vom 
Jahre 1603, mit Consolen, Eierstab, Zahnschnitt und faeettirten 
Quadern. Ein ähnliches, aber mit Karnies, Zahnschnitt und sehr 
grossem Eierstab in der Görnischen Gasse, wieder ein anderes vom 
Jahre 1600 in der Fleischergasse, der Bogen aber mehr mittelalter- 
lich gegliedert, in der Neugasse ein Portal von 1606 mit hübschen 
Flachornamenten, ein ganz vortreffliches reich gegliedertes von 
1603 am Kleinen Markt und ebenda ein anderes von 1601, ähnlich 
behandelt und mit dem Spruch: Herr nach deinem Willen. Alle 
diese Varianten kehren noch mehrmals wieder, namentlich am 
Hahnemannsplatz und in der Baugasse. Ein phantastisch derbes 
aber wirkungsvolles Baroekportal mit Rustikapilastern, Voluten 
und Obelisken vom Jahre 1614 bildet den Aufgang zum Kirchhofe. 
Eine derbe und flotte Arbeit aus derselben Zeit ist das Portal am 
Gasthof zum Hirsch, mit einer naiven Darstellung von Diana und 
Actäon. Hohe malerische Dachgiebel auf beiden Seiten hat das 
Eckhaus am Markt, jetzt Apotheke, in der Mitte mit einem Erker 
auf Consolen und eleganter toskanischer Säule. Ein später Nach- 
zügler mit schon flau gewordenen Formen ist ein Haus am Kleinen 
Markt mit einem Portal, in dessen Giebel Gottvater mit der Welt- 
kugel sich zeigt. Ein kleineres ebendort von ähnlicher Behand- 
lung trägt die Jahrzahl 1675; ein Beweis wie lange hier diese 
Formen naehgewirkt haben.  
Einiges findet sich sodann in Freiberg. Zum Frühesten 
gehört das Haus N0. 266 am Marktplatz. Es hat ein sehr reiches 
Portal der iippigstcn Frührenaissance, mit dem weichen, lappigen, 
krautartigen Laubwerk dieser Epoche ganz überzogen. Die Pi- 
laster, Archivolten und Zwickelfelder, welche ein männliches und 
weibliches Medaillonbildniss zeigen, völlig bemalt, das Ganze ein- 
gefasst von jenen pflanzenartigen Säulen mit wulstiger Basis, wie 
wir sie vom Georgenbau zu Dresden her kennen, der Schaft mit 
Laubwerk bedeckt, die breitgedrückten Kapitale mit Thier- und 
Plianzenornament, auf den Ecken vasenartige Aufsätze, dazwischen 
ein grosser Giebel als Bekrönung, welcher in einem anziehenden 
Relief die Arbeiten des Bergmanns enthält; wohl um 1540 ent- 
standen. Daneben in N0. 267, dem ehemaligen Kaufhaus, 1545
        

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