Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318289
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Von der ehemaligen Pracht des Innern ist fast Nichts er- 
halten. Nur im obersten Stock sieht man zwei Zimmer mit treff- 
lichen Holzdecken, schön gegliedert und gut eingetheilt. Der 
Reichthum der Ausstattung, an welcher Welsche Künstler aller Art 
betheiligt waren, muss ausserordentlich gewesen sein. Das von 
Moritz Begonnene wurde von seinen Nachfolgern mit noch grösserer 
Pracht fortgeführt, so dass jVosseni in drei Jahren allein für Marmor- 
arbeiten im Schloss 3881 Gulden, für solche im Lusthaus während 
derselben Epoche 6540 fl. erhielt. Die Gesammtkosten des Schloss- 
baues wurden blos von 1548 bis 1554 auf 100,941 Meissner Gulden 
bere chn et. 1) 
In Verbindung mit dem Schloss, an den östlich vorspringenden 
Georgsbau anstossend, liess Christian I seit 1586 den Stallhof 
erbauen, dessen Anfang auf unserer Fig. 214 bei O verzeichnet 
ist. Hans Irmisch wurde unter dem Zeugmeister Ham Bucfmer 
mit der Bauführung betraut. Von aussen wird das Gebäude durch 
eine hohe kahle Mauer abgeschlossen, welche durch mächtige 
Portale im derben Spätrenaissancestil, denen des Schlosses ent- 
sprechend, durchbrochen sind. Das obere Geschoss hat gekuppelte 
Fenster mit Giebelkrönungen. Diese einfachen Formen erhielten 
durch vollständige Bemalung der Faeaden ihre Belebung: im Erde 
geschoss facettirte Quaderungen, dazwischen Felder mit einzelnen 
Kriegerfiguren; darüber ein mächtiger Fries mit Reiter- und 
Wagenzügen in der ganzen Länge des Gebäudes; endlich oben 
zwischen den Fenstern wieder einzelne Gestalten. Wie beim Schloss 
war also auch hier Alles auf prachtvolle malerische Ausstattung 
angelegt?)  
An dem vorderen Portal meldet eine Inschrift, Herzog Christian 
habe den Bau „equorum stationi et militarium exercitationi" er- 
richtet. Im Innern bietet das Gebäude einen schmalen lang- 
gestreckten Hof, an der nordöstlichen Langseite durch zwanzig 
Arkaden auf mächtigen dorischen Säulen eingefasst, ehemals offen, 
jetzt bis auf den Thorweg vermauert. Das Obergeschoss, welches 
die Gewehrkammer enthält, zeigt die gekuppelten Fenster mit 
Giebeln wie am Aussern. Bei O ist eine Halle mit gothischen 
Rippengewölben auf kurzen Rundpfeilern, welche ehemals die 
Verbindung mit dem Schloss vermittelte. In diesem schönen Hofe, 
der ehemals nach dem Zeugniss alter Abbildungen-i) auf's Reichste 
bemalt war, namentlich zwischen den Fenstern die Thaten des Her- 
kules enthielt, fanden die Ringelrennen statt, von welchen noch jetzt 
  Vgl. den oben citirten Aufsatz von Schmidt a. a. 
bel Weeck, Taf. 14.  3) Bei Weeck, Taf. 15. 
Abb.
        

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