Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318254
Kap. XV. 
Obersachsen. 
791 
Theilen des Schlosses der an der nordöstlichen Ecke gegen den 
Fluss hinausgeschobene Flügel, durch welchen noch jetzt der ganze 
Verkehr aus der Schlossstrasse nach der Elbbrücke seinen Wcg 
nimmt. Er hat in der Mitte eine mit Kreuzgewölben versehene 
Durchfahrt, an beiden Seiten Passagen für Fussgänger, an der 
inneren Stadtseite bei N im Erdgeschoss eine gewölbte Vorhalle 
auf Pfeilern, die aber ein späterer Zusatz ist, da sie die reichen 
Portale bis auf das zur linken und einen Theil des mittleren 
verdeckt hat. An dem ersteren liest man zweimal die Jahrzahl 
1530, dabei die lebendig ausgeführten Medaillonportraits der Her- 
zöge Georg des Bärtigen und seines Sohnes Johann. Die Ornai 
mente sind hier noch sehr spielend und etwas flach gezeichnet, 
aber reich und zierlich, die Profile der Glieder in mittelalterlicher 
Weise aus Kehlen und Rundstäben zusammengesetzt. Die ganze 
Facade, ehemals von der grössten Prachtf) war mit ügürlichen 
Friesen, Pilastern und Gesimsen glänzend dekorirt und mit einem 
hohen Giebel abgeschlossen, auf dessen Stufen Drachen und Vo- 
luten angebracht waren, während die Ecklisenen von Statuen bekrönt 
wurden. In der Mitte der Facade rankte sich ein doppelter ver- 
schlungener Baumzweig empor, in den beiden Hauptgeschossen 
die mittleren Fenster umrahmend, am Giebel dann sich vereinigend 
und bis zum obersten Schlussfelde aufsteigend, wo Maria mit dem 
Kinde auf ihm thronte, von Engeln umringt. Diese sowie sammt- 
liche übrige Bildwerke der Facade sammt zahlreichen Sprüchen 
entwickelten den Gedanken der Erlösung, bewegten sich also, den 
klassischen Gewohnheiten der Zeit entgegen, in ausschliesslich 
 christlichem Ideenkreise. Bemalung und Vergoldung steigerte noch 
die Pracht des Ganzen. 
An der Aussenseite bei M ist das Mittelportal in derselben 
spielenden F rührenaissance dekorirt, mit kandelaberartigen Säulen 
eingefasst, die in ihren rundlichen Formen fast wie von Bronze 
erscheinen. Alle Flächen, die Sockel, Pilaster, sind mit spielenden 
Ornamenten völlig bedeckt. Am Schlussstein ist ein Todtenkopf 
ausgemeisselt, über welchem die halb zerstörte Inschrift: Per invi- 
diam diaholi mors intravit in orbem. Darüber sechs Wappen mit 
der Jahrzahl 1534. Dies wird also die Vollendungsepoche sein. 
Ehemals zog sich in der Höhe des zweiten Stockes das grosse 
Relief eines Todtentanzes an der Facade hin, welches später durch 
den vorgebauten Balcon verdrängt, in die Mauer des Neustädter 
Kirchhofs eingesetzt wurde." Es ist eine treffliche Arbeit voll Aus- 
druck und Leben, etwa 3 F. hoch und gegen 40 F. lang. 
Weeek, Taf. 
bei
        

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